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Kleine Geschichten aus der Wüste

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Rost(ur)laube(r)
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1. Puch 230 G
2. MB300D
3. Kawasaki ZXR750
BeitragVerfasst am: 28.06.2017 10:14:27    Titel:
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Klasse Geschichte !

(und eine Menge Deutsche, die zu faul sind einen Absatz deutscher Sprache zu entziffern, sehr unterhaltsam...)


Winke Winke

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Wenn es bricht - war es zu schwach...
Wenn es nicht bricht - war es zu schwer....
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gringoalemao
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1. kein Lada Niva mehr
2. Nissan Patrol Y61 2008
BeitragVerfasst am: 28.06.2017 10:17:46    Titel:
 Antworten mit Zitat  

Rost(ur)laube(r) hat folgendes geschrieben:
Klasse Geschichte !

(und eine Menge Deutsche, die zu faul sind einen Absatz deutscher Sprache zu entziffern, sehr unterhaltsam...)


Winke Winke


Bin nicht zu faul, bin unfähig !!! Heiligenschein

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Nimm das Leben nicht so ernst. Es ist ja nicht von Dauer...
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www.bnb-exploration.de
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Nightwolve
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2. BMW E36 Cabrio
3. BMW E36 Limo
BeitragVerfasst am: 28.06.2017 11:57:13    Titel:
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Ein wirklich erstklassiger Bericht mit viel Emotion und den passenden Fotos dazu. Ich ziehe meinen Hut vor sowohl der Erzählung, den wirklich tollen Fotos und deiner Persönlichkeit. Ein tolles Gesamtpaket! YES

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Toyota J12 - Nestle HT, 265/70R17, Webasto, ...
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Saw
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1. Yamaha XT 660 R
BeitragVerfasst am: 28.06.2017 12:36:45    Titel:
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habs mal für mich laut in meinem tiefsten Allgäuer Dialekt nachgesprochen,,,jetzt ist das eigentlich fast gut verständlich. YES
Die Schreibweisen unterscheiden sich allerdings um einiges,die Schweizer hier verstehen meinen Dialekt z.t. besser wie die Deutschen. Supi

Anonsten wieder ein top Reisebericht, bitte gerne mehr....


Grüssle aus der Grenzregion SH
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Recycler
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1. 1988 VW T3 Doka
2. 2005 VW T5 4motion Kasten
BeitragVerfasst am: 28.06.2017 19:00:34    Titel:
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Hallo ,

Ich hab mich bisher für Dialektbegabt gehalten aber scheinbar gibts beim Berndeutsch auch noch krassere Dialekte ? Pflegen muss man sowas unbedingt YES aber in Zukunft bitte mit hochdeutschen Untertiteln , denn manche Begriffe sind mir manchmal auch ein Rätsel :)

Gruss Mirco

@Saw ,
Dann müsstest du mich problemlos verstehen :)

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Der quattro ist kein Geländefahrzeug , dazu ist die Bodenfreiheit zu gering .
(Zitat Audi quattro-Betriebsanleitung)

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hexchen
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1. Pinguin 11 Jahre und 420000km
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3. Besen mit unbegrenzten Flugkilometern
4. -)!
BeitragVerfasst am: 29.06.2017 09:56:10    Titel:
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Sag mal haben die Turbanträger eigentlich noch Haare da drunter und wie ist es mit dem schwitzen,
Wollpulli und Turban ist das nicht zu viel? Unsicher
Diese Frage stelle ich mir jedes mal wenn ich solche Bilder sehe Vertrau mir ...
So wie der Junge Lachfalten hat ist für den alles gut und mit dem Zahnstein schinbar auch noch gut lachen,
positives Denken, er hat ja noch alle Zähne Grins !
Der Vergleich mit den Kirschaugen finde ich sehr gut, mega dunkel, so wie Herzkirschen... Winke Winke

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Grüße hexchen
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aber nie mit leerem Herzen....
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Desertcruiser
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BeitragVerfasst am: 03.02.2018 10:25:27    Titel:
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So, liebe Leute.

Ich war inzwischen wieder in Afrika. Mauretanien im Intensivgang. Marokko im Schnelldurchlauf.
Da erlebt man halt immer wieder bisserl was.
Die folgenden Geschichtchen sind ausschliesslich über Mauretanien, wenn nicht anders betitelt.

Oftmals sass ich an langen, dunklen Abenden im Auto und habe das folgende alles in mein Handy eingetippt. Energiegetrieben vom köstlichen Kaffee und dazu etwas erfrischende Musik an die Ohren.

Let's go...

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BeitragVerfasst am: 03.02.2018 10:33:39    Titel:
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Wie der Grossvater, so der Grosssohn. Darvidas knabbern - aber nur die Rechten! (Darvidas sind trockene, entsprechend knusperige Bisquits. Entweder des Geschmackes beraubt, oder mit etwas Meersalz angereichert.)
Der Unterschied: Grossvater im geregelten Alltag, ich ebenfalls irgendwo zwischen Himmel und Erde, allerdings hats rundherum nichts. Nur eben ein "Alltag". Immerhin.
Nun gut, eine Andeutung eines Hügels, mit vielleicht stattlichen 1,5m Höhe. Das reicht nicht einmal, den Wagen für die Nacht dahinter zu verstecken.
Der Wind geht stark und die Sahara heisst mich so: "Willkommen zurück".

4'300km in vier Tagen und einem Abend.
Westsahara, die Strasse ist vierspurig. Hier in Marokko.
So sehe ich anstelle der 80er Tafel nichts anderes mehr und so fahre ich nach einer Weile dann 100, wie gewohnt.
Schliesslich kommt nicht nach jedem Dorf eine 100er Tafel, da man das ja irgendwann mal einfach weiss.
Nicht so dieses mal.
Mit strenger Mine werde ich rausgewunken. Ich hätte 93 statt 80 gehabt, meint der Polizist.
Ich: Jaaa, schön möglich, ja. Und ich fände das ebenfalls tragisch, jaa.
Er sagt dann, das gebe 150DH (15€) Busse.
Ich erschrecke, ja sssoo wenig habe ich ja noch nie in meinem Leben Busse bezahlt, freue ich mich innerlich. Immer wollten die gleich 400, oder 700DH!

Gleich nimmt er sich das Geld und verschwindet mit meinem Pass, Fahrzeugausweis und Permit.
Dann kommt er nach 10min wieder und gibt mir alles (ausser natürlich dem Geld) zurück, plus die Quittung. Ausgefüllt mit einer sehr schönen Schrift.
Ich frage dann, seit wann es Geschwindigkeitsabhängige Bussen mit Abstufung gäbe? Er meint, jäjaa, DAS gibt es!
Ja, aber seit wann?

Ich sage ihm, das sei jetzt schon noch human so. Er beginnt zu strahlen wie ein Marienkäfer und sagt mir "vous êtes bienvenue!".

Dann, wenige Stunden später, fahre ich durch Boujdour durch.
Da gibts ne Verkehrskontrolle am Ende der Stadt.
Hier will der Polizist erst denn Pass, dann eine Passkopie, dann meinen Führerausweis, den Fahrzeugausweis - aufgepasst, bis jetzt kann ich alles in ordentlicher Qualität liefern - und noch die grüne Versicherungskarte.
Bei Letzterer ists nun etwas blöd.
Da habe ich etwas gar fest spekuliert.
Ich habe zwar mehrere dabei, jedoch steht auf der ersten das falsche Kontrollschild, und die Karte ist im '12 abgelaufen, bei der anderen ist das Ablaufdatum zwar 2020 und das Kontrollschild ist korrekt, jedoch ist Marokko gestrichen. Beides etwas ungeeignet. Dann ist da noch eine dritte. Die wäre über alles betrachtet am besten, allerdings kann ich die gerade nicht finden.

Ich gebe ihm mal die schönere, bei welcher aber MA gestrichen ist.
Er meint: "Uuuh, vous êtes pas assuré Monsieur!"
"Ui, das fehlt mir grad noch. Tatsächlich?"
"Diese Karte geht nicht für Marokko, das gibt jetzt ganz grosse Probleme", meint er ernst.
Ich krame noch die andere hervor und sage ihm: Schaut, hier habe ich noch eine gefunden! Da ist Marokko drauf. Und so grinse ich ihn einfach an, im Wissen, dass ich eh schon verloren habe. Die Hoffnung, dass er auf Humor anspricht, ist gewissermassen schon da.

Er, schon etwas genervt: "Die geht nicht, die ist abgelaufen! Regardez la date!"
Dass das falsche Kennzeichen drauf ist, merkt er aber nicht.

Er sagt, er rufe jetzt den Chef aus der Stadt und dann kriege ich grosse Probleme.
Ich finde die Idee beklemmend, sage aber nichts dazu.
Lasse den Polizist mal einfach referieren.

Dann hält er inne und fragt auf einmal ganz leise: "Wollt ihr weiterfahren?"
Das ist jeweils der Moment, wo sich ein weiterer Weg auftut.
"Ich? Was? Ja klar doch!"
Er winkt mich näher zu sich.

Wenn ich ihm jetzt "un petit billet" zuschiebe, verschliesst er seine Augen vor der Sache und lässt mich gehen.
Ich sage ihm gerade heraus, "ja-aber-Siiie, wenn ich ihnen nun Geld gebe, dann fördere ich ja die Korruption. Und da hat euer guter König dann wohl wenig Verständnis für, oder?"

Er wird stutzig. Ja, das stimmt.
Autre idee... Machen wir das vielleicht so.
Er gibt mir alle Papiere zurück und lässt mich gehen. Wenn ich etwas geben wolle, dann als Geschenk und von Herzen.
Ja er könne eine Orange haben. Eine gute Orange aus Agadir. Lache ich.
Das findet er zu wenig berauschend. Reagiert kaum darauf.

Er gibt mir die Papiere tatsächlich und geht zurück auf die Strasse, wo sein Kollege bereits wieder den Dienst aufgenommen hat. Die gesamte Konversation hat dieser ebenfalls mitgekriegt.

Dann gehe ich zu ihnen und drücke dem "Schmier" etwas in die Hand.
Sage ihm, wenn ich dann in 3-4 Wochen wieder hier vorbeifahre, möchte ich gerne nicht wieder bezahlen müssen. Wir könnten dann vielleicht ja einfach ein Tee trinken, oder so?

Er meint, nur wenn gut versichert - und lacht.

Ich bin ja schon froh, dass das so ausgegangen ist.
Ganz offensichtlich spricht der Polizist auf Humor an.
Während und nach den Verhandlungen lachen wir, jedoch behalten wir noch eine gewisse Ernsthaftigkeit bei, damit er sein Gesicht nicht ganz verliert.

Hier in Mauretanien bin ich hingegen versichert. Für 40€ pro 30 Tage. Wogegen und für was ich versichert bin? Ich weiss es nicht.
Naturgewalten wohl nicht. Ausser vielleicht einem Schwarm Ziegen, die durch die Wüste rennen.
Aber man muss hier einfach was abschliessen.

Draussen ist es nun finster geworden.
Der Mond liegt wie eine Schale da. Sein Licht hat vielleicht eine ähnliche Farbe, wie der Sbrinz-Käse, denn ich noch vor den Darvidas gegessen habe. Nur schwitzt der Mond nicht.

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BeitragVerfasst am: 03.02.2018 10:42:28    Titel:
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Im Moment wird die Wüste gerade umstrukturiert. Spuren werden gekonnt verwischt, die Sichtweite sinkt gegen 50m, so dass nicht festgemacht werden kann, was sich alles ändert.
Freiwillig aus dem Auto will man nicht.
Die Piste erkenne ich nur noch des Wellblechs wegen. Auf kurze Sicht noch optisch, sicher aber hat die Rüttelei nicht nachgelassen.

Ich fahre an eine Ansammlung von Häusern heran. Da steht ein Stoppschild. Die Gendarmerie.
Fahre daran vorbei und in einem Bogen direkt an den Posten heran, damit der Gendarm nicht so lange an diesem Wetter ausharren muss.
Doch er kommt gar nicht erst heraus. Draussen bleiben nur noch die Kamele, die Autos und die wenigen Bäume.
Nicht dass ich das so noch nie erlebt hätte, aber intensiv ist es jedes Mal wieder.
Man sagt dem Unwetter "Sandwind". Nicht Sandsturm, auch wenn man meinen könnte.
Es kann tagelang anhalten und man kann festsitzen.
Um mich herum ist alles in einem beigen Farbton. Unten, oben.
Die Konturen der Sonne sind nicht mehr richtig sichtbar.
Ich muss anhalten, das Fahren ist nun auch für mich zu riskant. Die Kontraste sind zu schwach geworden, so dass man Tiefen und Absätze kaum mehr sehen kann.
Damit der Motor nicht komplett auskühlt und dem massenhaft vorhandenen Sand in der Luft ausgesetzt ist, drehe ich das Auto etwas ab.
So warte ich mal ab und schaue dem Treiben zu.

Auf der Piste stehen zu bleiben, wäre Überraschungs-Selbstmord. Denn die Einheimischen fahren teilweise noch weiter.

Der Wind trägt den Sand hastig über die Steinhügel. Dann peitscht er ihn an die Seitenscheibe. Es klingt wie nieseln feiner Hagelkörner.
Öffne ich die Seitenscheibe, nagelt der Sand auf meine Haut.

Kleine Dünen werden frisch geformt. Gewinnen an Länge, wechseln die Farbe von rötlich zu weiss und wieder zu rötlich.
Der Sand schlängelt sich dem Boden entlang und poliert die herumliegenden Steine, zeigt so deren schönsten Farben.

Schon lange warte ich nun hier im Auto.
Der Staub offenbart mir Undichtigkeiten der Führerkabine. Irgendwo lagert sich ein Häufchen feiner Sand ab, welcher hineingepresst wird.
Draussen flitzt eine leere Petflasche vorbei. Mit gelbem Deckel.

Mir kommt in den Sinn, dass ich in Griffweite noch feine Orangen habe.
Die am meisten zerbeulte, wähle ich aus und schäle sie.
Offensichtlich gibt es, wider mein Erwarten, auch einen anderen Interessenten dieser orangen Frucht.
Es ist eine, sagen wir hier mal, Stubenfliege.
Bis anhin gerieten wir kaum aneinander, nachdem ihre Kollegin zwischen Frontscheibendichtung und Zeigefinger ihr Ende fand.

Zugegeben, die Fakten stehen etwas im Ungleichgewicht: Meine fliegende Zeitgenossin geniesst ihr Dasein in der warmen und staubarmen Stube, wie ich auch, während sie aber im Härtefall ebenfalls ihren Löffel abgeben muss.
Ich allerdings habe nur meine Nerven zu verlieren.

Unter diesen eckelhaften Umständen versuchen wir es aber mal gemeinsam und teilen die Orange.
Ich kriege das Fruchtfleisch und sie, immerhin, die ganze Schale.

Etliche Stunden vergehen und ich bin noch immer an selbiger Stelle.
Als der Wind etwas nachzulassen scheint, fahre ich wieder los.
Der Motor ist kalt und ein Keilriemen quietscht wegen dem Staub.
Tapfer schlägt sich der Motor durch das Gelände. Der Wind wird aber bald wieder so stark, dass ich vor lauter Staub teilweise nur noch einen einzigen Farbton sehen kann. Oben etwas heller, fliessend zu etwas dunkler. Kein Horizont sichtbar.
Ich muss mich aber korrigieren (oben), in dieser Intensität habe ich das noch nicht durchgearbeitet.
Doch weiter gehts. Da die Herren Gendarmen heute sowieso nicht rauskommen wollen, umfahre ich einen Posten nach dem Anderen.
Die Pisten erkennt man nur schwach, was mich geradezu einlädt, frei nach Himmelsrichtung zu navigieren. Mag ich durchaus.
So gehts durch den ersten Weichsandabschnitt. Ich bin etwas südlich der mutmaßlichen Hauptpiste.
Mit bis zu 60km/h kann man teils daherbrettern, bis dann plötzlich schwarze, niedrige Mini-Dünenkämme zu erkennen sind, welche sich kurz nach grösseren Dünen, oder zwischen zweierlei Buschhügeln und engeren Durchfahrten zeigen.
Da heisst es nur noch "bremsen soviel wie eben noch geht", dann schüttelt es den Wagen kräftig durch und man versucht die quer zur Fahrtrichtung liegenden Dünenstrukturen hinter sich zu bringen.
Fahre nun von der einen Düne herunter ins Tal, um die nächste zu erklimmen, doch unten im Tal bricht jäh die Leistung ein.
Gasfuss ganz runter und der Motor beginnt trotzdem fast abzuwürgen.
So schnell es geht, schalte ich vom 4. in den 3. Gang zurück und gebe Vollgas. Doch die Leistung bricht weiter ein.
Ein FechFech, Weichsandfeld (Andere sagen dem Treibsand) von der Konsistenz Puderzucker und somit von der üblen Sorte.
Staub wird hochgeschleudert, wird vom Wind weggerissen und verteilt sich über den Wagen.
Jetzt muss es schnell gehen. Der noch offene Fensterspalt wird geschlossen, zeitgleich den hackelig zu schaltenden 2. Gang mit genügend Körpereinsatz reingerissen, um dem Motor wieder etwas mehr Drehmoment abverlangen zu können. Fuss von der Kupplung, anderer Fuss ans Bodenblech.
Doch auch hier bricht die Drehzahl ein. Bei dem bärenstarken Motor...

Nun muss der 6-Zylinder durchbeissen. Im 1. Gang würde er sich eingraben, so die Erfahrung, also immer fest auf dem Gas bleiben.
Der Motor würgt sich stetig (oder eher gewissenhaft?) vorwärts und klingt, als möchte er im hohen Alter noch Bäume ausreissen.
Meter um Meter schafft er noch etwas Land.
Die Drehzahl sinkt unter 1'000rpm und sowohl der Schwung, als auch die Kraft ist parktisch weg.
Ein flüchtiger Blick in den Spiegel verrät mir wie tief sich mein 4x4 durchwühlen muss.
Mit kleineren Rädern hätte es mich schon längst erwischt.
Doch ganz knapp schafft es der Treiberling, den schwer beladenen Wagen an die nächste Düne zu würgen.
Nun gehts förmlich wieder aufwärts.
Das hinterhältige FechFech ist geschafft. Die Struktur dessen in meinem Kopf gespeichert, damit ich dem nächsten Feld ausweichen kann.

Bald zirkle ich den Wagen um mühsame Minidünen herum, welche sich die Grasbüschel zusammen mit dem Wind angehäuft haben. Sie zu überfahren ist fürs Fahrwerk ungesund.

Irgendwie Richtung Osten fahren. Das zweite Weichsandfeld ist schwieriger zu durchfahren und fordert mehr Motorleistung.
Glücklicherweise habe ich massiv Gegenwind, was dem Wasserkühler etwas hilft, den Motor bei Laune zu halten. Diesmal geht die Temperatur im Termostatgehäuse nicht höher als 90°C, was bei dieser Leistungsabfrage ein sehr guter Wert ist. (Vergleich damals mit Automatik nur mit Mühe unter 95°C zu halten)

Genug der Technik.

Schon längst müsste ich den wunderschönen Monoliten Ben-Amera sehen können.
Doch die Sicht ist zu knapp.

Irgendwann gehen dann Spuren links weg, auf die Bahngleise zu.
Interessant, genau hier fuhr ich schon vor drei Jahren über die Gleise.
Mache ich das doch auch mal wieder.

Nun folge ich irgendwelchen Spuren, welche in etwa in die gewünschte Richtung gehen.
Nämlich an die Grenze zur Westsahara. Die Mauretanische Gendarmerie sieht das ungern, daher frage ich sie auch nicht und versuche weiterhin ungesehen zu bleiben.

Bald sehe ich zwei sehr schöne Akazien. Ich meine, sie schon mal gesehen zu haben und fahre näher heran.
Bald stellt sich heraus, dass ich diesen Platz hier, mit Sicht auf den Monoliten, mehreren "Hausdünen" und den zwei Akazien bereits einmal als Nachtplatz gewählt hatte. Auch habe ich hier in der Nähe vor vielleicht 4-5 Jahren mal eine Schaufelorgie angezettelt. Ist aber eine andere Geschichte.

Ein unbeschreiblich schönes Stück Erde. Das sei mit Nachdruck gesagt.
Die Sonne ist bereits untergegangen, der Wind reisst aber noch immer an meinem Wagen.
So ist Kochen schwierig und mir bleibt nichts anderes übrig, als mich von Pringles und etwas schwarzer Schokolade zu ernähren.
Das Essen ging Heute wohl etwas vergessen und getrunken habe ich kaum einen halben Liter Wasser. Daher ist nun etwas Nachholbedarf da...

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BeitragVerfasst am: 03.02.2018 10:46:23    Titel:
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Und damit mir niemand vorwerfen kann, ich hätte keine Bilder gemacht...

Wer noch mehr will, darf sich gerne der beiden Links in meiner Signatur bedienen. Juza und Skypixel.

Mal ein paar interessante, junge Leute:












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BeitragVerfasst am: 03.02.2018 10:51:30    Titel:
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Übrigens, JANEK, HP, den da müsstest Du ganz gut kennen!
Sag mir wer es ist und ich sage Dir, wo er mich gefunden hat und mir meine eigene Story von der langen Tour von damals erzählt hat... rotfl rotfl rotfl
Lustiger Zufall wars!


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BeitragVerfasst am: 03.02.2018 19:03:51    Titel:
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Hoi Chrigu

Bisch in Chiquetti i allem Komfort go dusche Love it
Ha scho vo dere Schtori ghört, dr Inglesi het di ar Tanschteu gfunge u i d`Auberge bracht.
Zufau dass i di Bricht gseh ha,wie immer sensationell.

Uebersetzung ins Deutsch von Goethe macht dann der Chrigu Ja Ja Ja
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BeitragVerfasst am: 03.02.2018 19:10:12    Titel:
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Wi geil...
Dass Du das jiz scho gseh hesch!

Dr Ängländer. Das isch ä luschtigä Fäger dää.
Hesch dä oscho gseh dert?

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BeitragVerfasst am: 04.02.2018 10:37:23    Titel:
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YES Winke Winke
Herrliche Bilder und toller Bericht!

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BeitragVerfasst am: 07.02.2018 17:54:51    Titel: Gendarmerie, Freunde und die Polisario
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Danke Dir! YES

Gendarmerie, Freunde und die Polisario

Aber worum gehts denn diesmal?
Doch nicht schon wieder Polizeigeschichten?
Doch, natürlich. Aber anders. Lest selber...

"Wenn Du zurückkommst, wird Dein Freund hier sein."
So werde ich verabschiedet.

Den Vormittag bin ich damit beschäftigt, die Monoliten Ben-Amera und Aicha zu erkunden.
Welch schöpferische Meisterwerke! An den rundlichen Felsen kann ich mich kaum satt sehen.
Auch haben es menschliche Künstler versucht, sich daran zu verwirklichen. An einem Ort, an den ein Betrachter nur mit einem hochgeländegängien Fahrzeug hingelangen kann.

Zu meiner Freude lässt der Wind etwas nach und ich kann Luftaufnahmen machen.
In der Höhe jedoch, geht der Wind sehr stark.
Es zeigen sich ein paar Schleierwolken. Schönes Bild, einfach wunderbar, diese Felsen im Nichts!

Das kleine Städtchen, oder sagen wir ihm "das Dorf des ewigen Staubes", Choum, umfahre ich nordwestlich. Meiner Kenntnis nach hats da immer wieder viele bettelnde und mit Steinchen um sich werfende Kinder.
Und auf die bin ich nicht scharf. Steine nicht, Bettelkinder auch nicht.
Noch nie gewesen.

Dadurch, dass ich Choum umfahre, schneide ich ein Stück der Westsahara an. Hoheitshebiet der Polisario, Saharoui, könnte man sagen. Denn die Marokkaner interessieren sich nicht dafür.

Mit 60 bollere ich daher und weiche den Steinfeldern aus. Irgendwo rechts von mir sind die Gleise.
Der Wind geht weiterhin garstig und mein Auto wird umfassend und bis zur Blankeit gewisser Bauteile gesandstrahlt.
Tatsächlich kann man mein vorderes Kontrollschild kaum mehr lesen. Die Achse ist fast poliert und die Frontramme auch. Die Schutzgläser der Zusatzscheinwerfer sind nun blind.

Any way. Die sehen noch immer genug.

Ich fühle mich pudelwohl - und sicher.

Rechts von mir taucht dann mal die neue Teerstraße auf, welche ich nun auch nutze.
Wieder Mauretanien.
Gemütlich den Gleisen entlang. Hier ein ausgenommener Peugeot 404, de ein verunfallter Mercedes. Mal ein totes Kamel, mal eine scheintote Akazie. Müll und Altmetall allenthalben. So wies eben so geht.

Bald biege ich rechts von der Strasse ab und suche hinter ein paar kleinen Hügeln Schutz. Es ist dunkel geworden.
Die Eisenbahn donnert vorbei, ein paar Autos kommen mal von hier, mal von da.
Der Wind rüttelt an meinem Auto und wiegelt mich sanft in einen gesunden Schlaf. Das war ein langer Tag!

Vor Sonnenaufgang klingelt der Wecker, ich stehe bald wieder auf.
Dann die Fahrt nach Norden. Ein bahnbrechender Tag beginnt. Nicht für die Eisenbahn, denn die zertrümmerten Eisenerzwagen liegen bereits länger im Sand.
Auch wenn die hintersten Bahnwagen des jetzt vorbeifahrenden Zuges bedrohlich hin und her schwanken, scheinen sie doch nicht aus den Gleisen zu werfen zu sein.

80Km vor Zouerat dann meine Polizeipostenpremiere in Mauretanien.
Den Soldaten mit der schönsten Uniform schickt man raus.
Der will Pass und Fahrzeugausweis.
Gibt sich auf meinen Hinweis dann aber mit Pass und Fiche zufrieden. Wenn sie die Papiere haben, können sie mit einem machen, was sie wollen.

Ich zücke die Karte und offenbare ihm mein Vorhaben. Schaue genau zu, wie er reagiert.
Offenbar ist das Kartenlesen nicht sein Ding und er bittet mich in die Hütte.
Dort mischt man bereits den morgendlichen Tee an und bietet mir nebst dem, auch Brot.

Der älteste spricht am besten Französisch und kennt die Gegend.
Er hat graue Ränder um die Pupillen und faltige Haut. Seine Zähne sind - dem süssen Tee entsprechend. Fatal.
Er hat eine ruhige, tiefe Stimme und seine Sprache stockt etwas.

Ihm erzähle ich ebenfalls mein Vorhaben. Ist vorteilhaft, wenn ich von der Gendarmerie den "Segen" habe.
Er wiederholt alles fehlerfrei und greift zum Telefon.
Mit dem Gouverneur redet er nun und der scheint sich zum Vorhaben nicht zu äußern. Ich solle mich aber bei ihm in Zouerat melden gehen.
Alle wünschen mir gute Reise und sind glücklich über die kleine Abwechslung im Alltag.

Als ich zu meinem Auto zurückkehre, wartet dahinter ein weisser Toyota Pickup, dessen Fahrer mit schwarzem Chech, auf meinen ausdrücklichen Gruss kaum reagiert.

So fahre ich los und darf nach einem Kilometer gleich wieder anhalten. Nächste Kontrolle.
Während sich der Gendarm noch die Jacke zuknöpft, schreitet er zur Strasse und kommt an mein linkes Fenster.
Auch er will die Dokumente sehen, auch er gibt sich mit dem faulen Fiche zufrieden.
Nun fragt er nach einem weissen Papier, welches ich beim Zoll erhalten haben solle.
Versicherunhsnachweis ist es nicht, Fahrzeugausweis ebenfalls nicht und Visa, sowie Fahrzeugeintragung im Pass nicht.

Er macht jetzt ein Problem daraus.
Bald lenkt er aber selber vom Thema ab. Fragt mich über Dinge aus, die er gerade sieht.
Was ist das? Was ist da drin?
Ja, Kamera ist da drin. Und bevor er auf die Kiste mit der Drohne zeigen kann fahre ich dazwischen: "So, das tuts jetzt aber mit fragen. Ich fahre jetzt weiter."
"Ah d'accord, bon, merci beaucoup ET bonne route..."

Fderik wird in einem Zuge durchfahren und bald stehe ich vor den Toren von Zouerat.
Ein offizieller, mit Ampel bewachter Bahnübergang wird passiert.
Die alten Richtungspfeile wurden übermalt und behaupten nun das Gegenteil. Seit einer Weile ist Rechtsverkehr, wie sonst auch überall.

Rechts hats wieder ein Gendarmerieposten. Da halte ich brav an und erledige die Formalitäten. Auch sie meinen, mein Vorhaben sei vielleicht machbar.
Sie lassen mich sogar hinterm Haus einen ausgedienten Riesendumper mit V12 Motor filmen. Doch weiter darf ich nicht, sagt mir der SNIF Wächter, der aus einem ebenfalls ausgedienten Reisebuss gekrochen kommt.
Allerdings darf ich über den Zaun filmen, ihn eingeschlossen.

Inzwischen haben sich die Gendarmen nach Sicht etwas über die Ladung meines Autos informiert, und wissen nun besser, wonach sie mich nun bitten können.

Erst ein Glas Tee, dann sagen wo der Schuh drückt.

Es ihnen zu erklären, dass die mitgebrachten Decken für die armen Nomaden bestimmt seien, ist etwas schwierig, doch sie nicken akzeptierend und lassen mich ziehen.
Einer fragt mich, für wieviel ich den Wagen verkaufen wolle.
Motor, Verbrauch ist auch wichtig.

100m später schreite ich noch durch das riesige Altpneulager der Eisenerzdumper. Eindrücklich.

Ich muss kurz unterbrechen.
Während ich diese Zeilen schreibe...
Vor mit liegt die Mondsichel.
Tausend Sterne rundherum, die Sicht ist klar bis auf drei Handbreiten über dem Horizont.
Um mich herum stehen Giganten, welche den Namen verdienen.
Leise und ruhige Musik in den Ohren.
DAS gibt schier Schmetterlinge im Bauch.

So. Hm-hhhmmm, wir sind noch nicht da.

Weiter gehts.
Erste Anzeichen einer sich modernisierenden, doch immer noch um 50 Jahre hinterherhinkenden Stadt, werden sichtbar. Ampeln. Geschaltet nach Zeit und nicht nach Bedarf.

Bald darf auch ich gehen und erreiche das Gendarmeriehäuschen am Stadtrand. Das blaue, Achteckige.
Dahinter steht, was von einem Renault 4 und Jeep Cherokee noch übriggeblieben ist.

Ein älterer Gendarm kommt an die Kreuzung. Fast schon liebevoll begrüsst er mich und gibt mir die Hand.

Wir wollen gleich die Formalitäten erledigen, als ich den anderen Polizisten sehe, den ich mal versehentlich durch die Stadt gejagt habe.

Ich fahre direkt vors Häuschen und steige aus.
Der ältere, höherrangige (den ich gejagt hatte) schaut mich etwas ungläubig an.
Was will jetzt der da?

Kurz erkläre ich mich, aber er hört mir nicht zu. Gibt mir die Hand zum Gruss und will jetzt wissen, was ich vor habe.
Ich setze erneut an: "Ich kenne Sie, wir sind uns hier schon mal begegnet. 2014"
Weiter: "Ich habe damals den Posten übersehen und bin Richtung Stadt weitergefahren.
Sie sind mir mit dem 190er (Benz) hinterhergedüst und haben mich "an den Haaren" zurück zum Posten geordert."
Er versteht, scheint sich aber nicht mehr zu erinnern.
Sein grüner Chech verdeckt seinen grauen Bart. Er gibt mir erneut die Hand.

Dann packe ich die Karte aus und erkläre erneut mein Vorhaben.
Er sieht eine Möglichkeit, erwähnt aber nichts vom Gouverneur.

So lässt er mich kurz ziehen, nachdem die Formalitäten erledigt sind. Treibstoff fassen.

Ich schlendere fahrend durch das belebte Zouerat. Immer nach Tankstellen Ausschau haltend.
Strategisch suche ich das Quadratische Strassennetz ab und finde die Tankstelle mit dem noch selben Tankwart wie vor Jahren. Die Zeit ist stehen geblieben.
Kennen tut er mich zwar wahrscheinlich nicht mehr, aber den algerischen Schmugglerdiesel verkauft er mir trotzdem gerne.
Der hat seine ganz besondere Duftnote, der Stoff.
Vor und nach der Verbrennung.

Ich kippe vorab einen Liter Zweitaktöl in den Tank - um schlechte Schmierung der Einspritzpumpe, durch allfällige Streckung des Diesels zu lindern.

Für 290 Ouguyia der Liter. Ist wesentlich günstiger als 1CHF und wird sonst 390 OUG gehandelt.
Glückstreffer.

Während dem Tanken kommt ein Strassenverkäufer (verkauft keine Strassen) mit Handwagen daher und will mir Brot verkaufen.
Ich mache den Daumen hoch und will eins. Da fährt er weiter, Daumen hoch = kein Brot kaufen??
Ich rufe ihm nach und er verkauft mir doch welche.
200 Ouguyia für 2 ordentliche, frische Steckenbrote.
(1 CHF = ~360 Ouguyia)
Ich kann nur mit einer 5'000er-Note bezahlen.
Ich kriege Rückgeld wie im Haaröl gebadetes Toilettenpapier.

107l gehen rein nach etwa 170km Teer und 500km teils sehr weichem Sand.
Ja, er genehmigt sich was, der alte 6-Zylinder. Aber damit kommt man an Orte hin, wo neuartige Autos jeglicher Art nicht einmal sterben gehen können.
Diese Autos husten sich schon von diesem "Diesel" die Innereien raus.

Vis à vis hats einen kleinen Laden.
Dort kaufe ich zwei Orangensaftdosen, zwei Birnen und eine Orange.
Irgendwas von 600 faselt er. Er kriegt das obig beschriebene Rück-Papier und ich kriege andere gängige Noten zurück.
Ich sage Euch, diese Stadt habe ich ins Herz geschlossen! Ich mag sie einfach.

Dann zurück zur Gendarmerie.
Der gestandene Postenchef wiederholt nun mein Vorhaben und ist schon fast traurig, dass ich bald wieder gehen werde.
Das Säckchen mit Frucht und Trank, sowie dem Brot, gebe ich den beiden Gendarmen ab.
Zwar danken sie nicht, aber ich sehe das Leuchten in ihren Augen.

Den Segen für mein Vorhaben habe ich nun. Zwar nicht vom Gouverneur, aber von einem erfahrenen Wüstenfuchs.

Zum Abschied sagt mir der sichtlich gerührte Mann:
"Ich bin immer da. Wenn Du wieder hierher zurückkommst, dann ist Dein Freund hier."
Und das meint er so. Er nimmt meine Hand und drückt sie mehrmals.

Gemächlich gehts dann nach Fderik zurück, also nach Westen.
Irgendwann biege ich einfach ins Dorf ein.

Als ich auf einen Platz hinausfahren will, kommt ein schepperiger Mercedes ums Eck und will und will nicht anhalten. Platz hats für ein Fahrzeug.
Ich stehe bereits und der nette ältere Herr merkt es halt erst ganz kurz vor meiner Stahlstossstange.
Seine Geistesgegenwart kriegt er zeitgerecht zurück und sein Fahrzeug knapp vor dessen Kaltvervormung, zum Stillstand.

Beide lachen wir und hantieren wie wild im Auto herum.

Dann stehe ich ratlos auf dem Platz.
Saharoui-Autos suchen.
Also ein Land-Rover hatte es schon, doch ohne Besatzung.

Drei Typen kommen an mein Fenster.
"Du bist ein Saharoui, das sehe ich Dir an!" sage ich dem einen.
Er bejaht. Auch die anderen beiden kommen von "drüben". Die hätten auch Marokkaner sein können, den Gesichtern nach.

Lokale Grenzgänger sind das. Unter Einheimischen kein Thema.

Ich frage sie nach gewissen Stellen, die ich anfahren möchte.

Doch als es um ein bestimmtes Objekt geht, welches in der Wüste liegen soll, rückt sicheres (!) Auftreten trotz Ahnungslosigkeit in den Vordergrund. Noch weit vor dem Eingeständnis, solche Plätze gar nicht erst anfahren zu wollen.

Aber auch sie meinen, ich könne in diese Gegend fahren.
Schliesslich will mir der eine auch den Wagen abkaufen.
Sieht halt schon lieblich aus, der Safari.

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