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Kleine Geschichten aus der Wüste

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Desertcruiser
Der mit dem Y60 tanzt
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...und hat diesen Thread vor 573 Tagen gestartet!


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1. Nissan Safari Y60TD42T
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BeitragVerfasst am: 07.02.2018 17:55:38    Titel:
 Antworten mit Zitat  

Na dann, halten wir uns die ersten paar hundert Meter an die Wegbeschreibung.
Dann nach Intuition.
Erst über eine Fläche, dann zwischen Grasbüscheln durch.
Ich gebe zu, den Meister im Lesen des Geländes habe ich nicht gemacht.
Zudem ist das Fliegen der Drohne, das komponieren der Videoaufnahme und zeitgleich das Lenken, Schalten, Ausweichen von schädigenden/nicht zu schädigenden Hindernissen und dem Navigieren nach Wegpunkten etwas viel zeitlich komprimierte Selbstaufbürdung.

Es geht durch einen vertrockneten See, Fenster werden blitzartig geschlossen und einen Gang zurückgeschaltet. Weich und staubg ists.

Alle Hände voll zu tun.

Ich halte Ausschau nach einem meiner Träume: Der Pelikan

Doch Hügel um Hügel offenbaren immer wieder andere Szenerien, doch das Objekt meiner Begierde bleibt mir verborgen.

Einen Hügel muss umfahren werden und dann sollte ich sie sehen. Immerhin meint dies mein damals gesetzter Wegpunkt. Doch die Wüste ist gross.
Die Sicht oft gering. Ein kleiner Eingabefehler und ich fahre haarscharf daran vorbei, ohne sie zu sehen.

Die schöne Parallaxe lässt die Büsche schnell an mir vorbeiziehen. Die Steinhügel langsamer und der Berg dreht sich nur noch langsam um die eigene Achse.

Dann gibt er sie frei.

Da liegt sie im Sand, diese Schönheit!
Vier grosse Zwölfzylindermotoren hatte sie mal.

Doch der Traum beginnt zu bröckeln.

Ein Polisariokämpfer im Tarnanzug kommt aus der kleinen Hütte und will zum Brunnen schreiten.
Als er mich sieht, hält er inne. Meinen Gruss erwiedert er kaum.

Reden will er nicht mit mir.
Er verschwindet wieder in der Hütte.

Ich mein', ich bin da in ein fremdes Land hineingeplatzt.
Er hätte wenigstens ein Gezetter lostreten können. Aber mich einfach anschweigen?

Was soll ich jetzt?

Mich bei dem Bewacher zuerst vorstellen gehen, oder wie der Pauschaltourist (...der dieses Fleckchen Erde kaum jemals sehen wird) an den Flieger heran machen und ihn nach der Schnellfeuermethode ablichten, was die Kamera hergibt?

Ich entscheide mich für ersteres.
Krame zwei Hände voll Kartoffel aus der Vorratskammer und gehe zur Hütte.
Da liegt ein älterer Mann auf dem Geläger und es soll wohl etwas zubereitet werden.

Niemand schenkt mir Beachtung. Niemand erwiedert meinen arabischen Gruss.
Und ich lege die Kartoffel halt auch nicht einfach in den Sand. Ein zweiter Land-Rover fährt hinzu.

Aussteigen tun zwei teiluniformierte Polisarios.
Einem kann ich die Kartoffel in die Hände drücken. Der andere scheint sich zu interessieren.

Der Polisario bringt die Kartoffel rein und kommt wieder raus.
Zusammen mit dem alten Mann.

Dieser scheint hier das Sagen zu haben.
Kniet sich neben meinem 4x4 auf den Boden, freilich, nach Osten ausgerichtet.
Es folgt ihm der Zivil Gekleidete.

Der Teiluniformierte beginnt ein Gespräch.
Wo ich meine Permission pour photographier hätte. Von irgendeiner offiziellen Stelle und wahrscheinlich mit einem - ganz wichtigen - Stempel.
"Die habe ich schlicht und ergreifend nicht. Die könnt ihr mir geben!", Füge ich etwas frech hinzu.

Der alte Mann redet auf mich ein und ich verstehe nicht mal "bitte", "danke", "Flugzeug" oder sowas.

Tja, wieder festgeklemmt.

Schliesslich lässt sich der alte Mann vom Teiluniformierten überreden, mich das Flugzeug kurz fotografieren zu lassen.
Keine Ahnung, wieso der mir das eigentlich verbieten kann. Aber ich wähle den nett-diplomatischen Weg.
Schliesslich bin ich hier in einer, immerhin aus marokkanisch- und internationaler Sicht, höchst zweifelhafter Gesellschaft und Gegend unterwegs und möchte gravierenden Problemen aus dem Weg gehen. Schon nur weil sie die besseren Argumente aus russischer Produktion haben.
Ich bedanke mich fast schon überschwenglich für die Erlaubnis.

Starte die Kamera und versuche in der kurzen Gewährungszeit möglichst viel herauszuholen.

Die Pelikan scheint äußerlich noch einigermassen im original-notgelandeten Zustand zu sein.
Paar Verschalungsteile hat es weggewindet und die Ventildeckel der V-12 fehlen. Ein Motor fehlt gänzlich.
Wie es innen aussieht, weiss ich nicht.

Die Maschine ist aufgeschrammt und die Propeller hats nach hinten gebogen.
Aber man erkennt sie noch, die blaue Schönheit.
Sie stammt, wenn ich das richtig erkannt habe, vom Französischen Militär. Die Absturzstelle ist einerseits recht optimal gewählt, weil einigermassen flach. Andererseits ist sie sehr weit von der nächsten Stadt entfernt, so dass dies auch sehr gut kondiditionierte Männer kaum zu Fuss schaffen konnten.

Mit den Aufnahmen bin ich noch gar nicht zufrieden, als der alte Mann schon wieder quengelt.

Ich gehorche und weiss, dass ich hier wenige Tage später nochmals durchfahren werde.
Da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen - auch wenn noch mehr Kartoffeln den Besitzer wechseln müssen.

Dem etwas gereizten, alten Mann krame ich noch eine Marokkanische Orange hervor.
Meine Tagesration an Orangen.
Er würde sie wegschmeissen, wenn er die Herkunft kennen würde - so gross ist die Verachtung gegenüber der Besatzungsmacht.
Auch hier: Keinen Dank.
Aber sonst etwas ganz Gutes.
Eine Erlaubnis, weiter nach Westen fahren zu dürfen. In die Nähe des verminten und gesicherten Walls

Dazu eine grobe Richtungsangabe, geht aufs Haus.

Der Dieselmotor startet wie immer und die Fahrt geht nach Westen.

Es soll noch etwa 60km durch die Wüste gehen.
Aber nicht einmal 75km werden reichen.
Die ersten 40km gehen wie von alleine, doch mit Inkaufnahme einer für mich weiter nicht mehr tolerierbaren Kursabweichung.

So lenke ich bei und muss das Gelände nehmen, was da gerade kommt. Ob ich falsch gelegen bin mit der Kurskorrektur? Ich weiss es nicht.

Aus dem Dunst tauchen Umrisse von Hügeln auf und verschwinden hinter mir wieder im Nichts.

Runde, schwarzgebrannte Felsbrocken auf dem goldenen Sand sitzend, stehen da wie ein Denkmal.
Ja, denk-mal!
Wo habe ich mich hier mal wieder hinmanöveriert?

Ich durchfahre Gegenden, ohne Spuren zu sehen. Und diese sieht man normalerweise Jahre lang. Vielleicht Jahrzehnte.
Frei navigieren, wie köstlich! Keine Verkehrsschilder, keine Verbote.

Grasbüschel mit ihren persönlichen Dünen, Steinfelder, einzelne Akazien... Der untergehende Sonne entgegen, die Stimmung ist unbeschreiblich schön!

Und da tauchen sie auf, die Giganten!
Die Monoliten von Leyuad.
Etwa 300m hoch.
Durchaus schwer zugängliche Felsformationen mit einer unbeschreiblichen Schönheit.

Mir bleibt echt die Sprache weg. Habe kaum Worte für das, was meine Augen sehen dürfen!

Doch der Preis, sie zu erreichen, war hoch.
Anstatt aus der Umgebung Dakhlas den Weg hierhin direkt einschlagen zu können, muss man sich:
- Hunderte Kilometer nach Süden und über den mühsamen Zoll bewegen.
- Dann hunderte Kilometer ostwärts, durch Sand und über Pisten bewegen, unter erschwerten Bedingungen.
- Dann wieder hunderte Kilometer nordwärts,
- und schliesslich fast wieder 200km westwärts bewegen.

Die ganze Runde dauert knapp fünf Tage.

Lohnt es sich?
Gewiss.

Unverständlicherweise empfange ich hier eine sms.
Die Saharouis haben, soweit mir bekannt, keine eigene Telekomm. Nur Satkanäle.
Mauretanisches Netz ist zu weit weg.
Willkommen in der Nähe des Marokkanischen Teils der Westsahara...
In der "Nähe" ist ein UN-Posten für Kriegsbeobachter. Da hats glaube ich auch Schweizer. Wenn die wüssten...

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quadfahrer
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1. subaru, ATV 4x4
BeitragVerfasst am: 07.02.2018 18:28:32    Titel:
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du weisst schon, das mit diesen netten kurzgeschichten aus der wüste dein buch immer näher rückt? rotfl
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Desertcruiser
Der mit dem Y60 tanzt
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...und hat diesen Thread vor 573 Tagen gestartet!


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BeitragVerfasst am: 07.02.2018 18:36:59    Titel:
 Antworten mit Zitat  

Hab da was kleines angpasst. Heiligenschein

quadfahrer hat folgendes geschrieben:
du weisst schon, das mit diesen netten kurzgeschichten aus der wüste dein buch immer dicker wird... Vertrau mir


...und du es desswegen immer auf die längere Bank schiebst?

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Janek
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1. 90CSW Td5/90ST Td5
BeitragVerfasst am: 08.02.2018 20:33:18    Titel:
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Chrigu,wie du sagst ist der marokanische Grenzübergang bei Guergerat richtig mühsam Nee, oder?
das können wir leider nicht ändern.

Grad anschliessend kommst du ja in diesen von der UNO überwachten Streifen,früher Niemandsland genannt,
mit hunderten von Autowracks.
Im Frühling 17 war aber alles weggeräumt,die Polisario hatte da so Kontrollposten eingerichtet, und so kleine
befestigte Hügel.

Du sprichst in deinem Bericht von dem grossen Umweg um schlussendlich wieder ca 300Km östlich von Dakhla
diese Monoliten Ayuerat zu finden.

Logo,hast den Mauretanischen Zoll gemacht,dann entlang der Bahnlinie bis Choum,dann rauf nach Fdérik.

Gibt es denn nicht die Möglichkeit die ganze Strecke auf dem Gebiet der Polisario zu fahren?
Und zweite Frage: wo hast du das Mauretanische Gebiet Richtung Westsahra verlassen,hab da mal was von einem
ehemaligen französischen Fort gehört.
Und ist jetzt die Strasse von Atar bis Fdérik durchgehend geteert?

Sorry für die vielen Fragen, aber scheinbar tut sich im Moment eine neue Variante zum Erreichen von Mauretanien
auf.
Algerien soll scheinbar geneigt sein Seine Route für Passagen nach Tindouf zu öffnen,
die DARS vertreten durch die Polisario öffnet die Route Tifariti,anschliessend östlich des Walls bis runter in die Gegend
wo du durchgefahren bist.
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hexchen
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BeitragVerfasst am: 10.02.2018 09:28:58    Titel:
 Antworten mit Zitat  

Desertcruiser hat folgendes geschrieben:
Hab da was kleines angpasst. Heiligenschein

quadfahrer hat folgendes geschrieben:
du weisst schon, das mit diesen netten kurzgeschichten aus der wüste dein buch immer dicker wird... Vertrau mir


...und du es desswegen immer auf die längere Bank schiebst?


Immer schön langsam und Stück für Stück, wie man die Klösse isst Vertrau mir rotfl

Gut geschrieben Deine kurzen Ausflüge, für mein bildliches Vorstellungsvermögen Grins Knuddel Winke Winke

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Grüße hexchen
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Desertcruiser
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BeitragVerfasst am: 13.02.2018 09:38:16    Titel:
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Telefonieren wir mal, HP. Geht besser. Supi

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El-Dracho
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1. Landrover Defender 110 TD4 SW
BeitragVerfasst am: 15.03.2018 16:04:49    Titel:
 Antworten mit Zitat  

... ob es heute wohl zur Feier des Tages auch eine kleine Geschichte aus der Wüste gibt Unsicher Smile

Einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Chris  Winke Winke Alles Gute! Blumen für Dich

Gruß, Björn 

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Safe journey! bon voyage! Gute Reise! buen viaje! Счастливого пути!
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BeitragVerfasst am: 15.03.2018 19:47:45    Titel:
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Sali Björn! YES
Und danke für Deine Wünsche!

Heute Abend friste ich ein müdes, langweiliges Dasein und gehe wohl früh zu Bett. Also nix mit Geschichten, leider.

Geniesse wenigstens Du den Abend

Chris

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hexchen
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BeitragVerfasst am: 16.03.2018 07:22:52    Titel:
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Ui da habe ich doch glatt Deinen besonderen Tag verpasst...
Nachträglich alles Gute zum Geburi Knuddel !!!!

Merci für Deine Berichte und Geschichten Tröst !

Gaaaaaanz liebe Grüsse nach Bärn Winke Winke

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Grüße hexchen
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BeitragVerfasst am: 16.03.2018 07:46:21    Titel:
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Vielen lieben Dank Dir!
YES

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ilten
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Status: Offline


BeitragVerfasst am: 16.03.2018 15:07:09    Titel:
 Antworten mit Zitat  

Oh ja, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!!!! nachträglich. Deine Berichte sind immer wieder unglaublich toll.
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Desertcruiser
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BeitragVerfasst am: 28.12.2018 15:36:33    Titel:
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Eigentlich nichts neues, man nimmt sich drei Stunden des Lebens Zeit, um Vielen nur wenig tägliches Brot zu gönnen, die eigenen Nerven zu stählen und sich dabei oft und lange die Beine in den leeren Bauch zu stehen.

Endlich kriege ich eine Antwort darauf, was passiert, wenn ich zu lange im Lande bleibe, nachdem das Visum abgelaufen ist.
Die Aussage direkt vom Visafunktionär, derjenige mit den Bernhardineraugen, welcher seine Arbeit erst um 11:00 aufnimmt, da er bedingt durch überragende Kenntnisse im Bereich Informatik nicht surch einen Besseren ersetzbar ist:
Laut ihm muss ich bei dem Verlassen des Landes erneut ein Visum nachmachen lassen. Das heisst: 1 Tag überfällig = erneut 55€ für das frische Visum.
Sind es allerdings 30 Tage, oder von mir aus ein ganzes Jahr lang, sind es ebenfalls "nur" 55€, die bezahlt werden müssen.
Insoweit ist der illegale Aufenthalt im Lande nicht unbedingt ein Delikt erster Güte. Eher ein offener Geschäftszweig, den auch ich zu meinem Vorteil nutzen kann.

Dabei lerne ich zwei Deutsche kennen. Beides Alleinfahrer.
Der mit dem Magirus Deuz LKW stellt die Fragen so oft und unablässig erneut, bis er die Antwort dazu bekommen hat, oder aufgibt und später wieder das selbe fragt - genau so handhabt er es beim Beantworten der Fragen. Schweigen, so oft wie er auch gefragt wird, bis man aufgibt.
Der andere Deutsche?
Der hat einfach die Augen weiter auseinander.

Eigentlich wollte ich vor den Grenzformalitäten unbedingt noch Frühstücken, aber als ich 08:45 an die Marokkanische Grenze heranfuhr, wurde ich gleich eingewunken. Da musste ich rein, denn das Tor hätte jeden Moment wieder verschlossen werden können.
Um 12:00 bin ich dann in Mauretanien drin und fahre gleich noch eine Stunde südlich, etwas aus der lockeren Ansammlung von schräggedrückten Hüttchen raus.
Mein "Frühstück" um 13:30 ist dann redlich verdient und gut. Paniertes Fischfilet mit Kartoffeln und immer wieder etwas von den überfälligen Orangen dazu.
Das Wetter sonnig und zu meiner Verwunderung weht fast kein Wind. Überhaupt war es die Tage überaus erträglich.

Etwa 400km später, könnte ich die bis anhin gefahrenen 5'100km in 6 Tagen, als belohnt betrachten. Aber lies selber warum.

Wasser möchte ich noch. 3 Flaschen à 5l. Aber der Jung will 500 Ouguiya pro Flasche.
Da komme ich etwas ins stutzen und finde, das sei mir etwas gar teures Wasser. Da klärt sich auf, dass bei den Banknoten eine Null gestrichen wurde (Anfang 2018) - dessen bin ich mir ja längst bewusst. Aber der Verkäufer sagte den Preis trotzdem mit einer zusäzlichen Null hinten dran. So kosten die Flaschen alle zusammen dann doch nur noch 150. Das geht.

Als ich in die Stadt reinfahre, dirigiere ich meinen Wagen zwischen all den 190er-Benzen durch. Alles ist ruhig, kaum einer hupt. Gemächlich schiebt sich Einer um den Anderen Richtung Süden.
Wenn zwei Spuren zur Auswahl stehen, nimmt man die Trennlinie der beiden Spuren mittig unters Auto. Links und rechts von einem, können dann Andere eine Spur gründen.
Stehen zwei Autos hintereinander an der Ampel und daneben nochmals zwei, wird sodann eine dritte Spur eröffnet, knapp nicht im Gegenverkehr. Dann, bevor es grün wird, wird gehupt und alle fahren los.

Interessant auch hier, die vorderste Reihe der Autos fährt bei der roten Ampel eine Wagenlänge vorbei und hält dann irgendwo an der Kreuzung erst an. Die Fahrer sehen die Farbe der Ampel nicht, welche grad leuchtet. Bekannt gegeben wird das mittels Hupen von denen hinten dran, dass demnächst grün sein wird. Da wird dann schon mal losgefahren.

Generell gilt auch: Ist die Ampel rot, kannst Du fahren, musst dich einfach durchdrücken.
Steht allerdings ein Polizist auf der Kreuzung und fuchtelt um sein Leben, erreicht das Rotlicht insgesamt einen ungleich höheren Beachtungsquotient.

Ist der Polizist auf der Kreuzung, aber grad nicht aufmerksam, wird nicht als Solches erkannt, oder schickt sich in der Zeit an, sich zwischenmenschlichen Differenzen anzunehmen, kommt durchaus mitten in den Verkehrsfluss, einer aus der Seitenstrasse geschossen und behindert diesen Fluss solange, bis der Polizist, sobald er dies bemerkt hat, dieses Fehlverhalten mit institutioneller Autorität, ja, fürchterlichem Gezetter unterbricht.

Mit strengem Gesicht winkt er den Übeltäter aus dem Verkehr, vorwärts in eine Parklücke, wo der Fahrer nicht entwischen kann und zur Rechenschaft gezogen wird.

Stehen allerdings zwei Polizisten gleichzeitig auf einem imaginären Kreisverkehr, winken etwa noch konträre, kollisionsgefärdende Fahrtrichtungen aufeinander los, so dass sich der ganze Verkehr selber zum Erliegen bringt, die Fahrzeuge sich müssig in einer Dreiecksform verkeilen und die Polizisten eifrig rumpfeiffen, dass niemand mehr verstehen kann, was sie zu regeln gedenken - ich mittendrin - weicht mein dauerhaftes Grinsen einem herzhaften, aufrichtig schadenfreudigen Lachen!

Kreisverkehr kennt die Stadt nun auch. Wie man ihn fährt, scheint allerdings noch nicht so unter die Leute gekommen zu sein.

Ich hab die Stadt ja schon öfters bei Nacht durchfahren, aber jedes Mal ists noch ein Stück schöner.

Karosserie an Karosserie wurstelt sich durch den nächtlichen Verkehr. Es gibt Spaltmassen im 10cm Bereich. Mehr Platz gibts oft einfach nicht.

Die älteren Autos sind oft verbeult.
Den Neueren wird noch etwas Sorge getragen.
Meinem Geländewagen habe ich vorsorglich stabile Fahrzeugschutzanbauteile (Stoßstangen) geschweisst.

Die Aufmerksamkeit muss sorgfälltig eingeteilt werden. Vor allem in die Bereiche vorne, links und rechts. Was hinter einem ist, ist unwichtig, eben, passé.

Die Fahrt aus dem Stadtzentrum sieht zwei Spuren für uns vor. Durch geschicktes Fahren gelingt es einigen vor mir, aus den zwei Spuren eine Dritte zu machen, ganz auf Kosten der Spur stadteinwärts.
Das nutzen wir für schnelleres Vorwärtskommen, bis der 190er vor mir mitten im Verkehr anhält, um jemanden abzuladen.
Der soeben Ausgestiegene sucht mit weit aufgerissenen Augen einen Ausweg durch die sich langsam wälzende Blechlawine, auf den rettenden und belebten Strassenrand.
Vor dem 190er hat sich entsprechend eine 10m Lücke gebildet, welche vom Gegenverkehr rasch gefüllt wird. Der 190er muss kapitulieren und rechts einscheren.
Und so verlieren wir die dritte Spur wieder an die Stadteinwärtsfahrer.

Auf der linken Spur fahrend, links blinkend und dann doch rechts abbiegend, ist mit wohlwollender Intuition zu begegnen.
Hupen bringt nur mehr Unruhe in die Sache und fördert nicht das Verständnis, da nicht definiert werden kann, welches Delikt welchem Hupen zuzuordnen ist.
Einen Unfall gibt es dann doch noch. Fahrzeug-1 hat dem Fahrzeug-2 den Vortritt genommen und das Fahrzeug-2 hat es nicht gemerkt, bzw. nicht korrekt darauf reagiert, so dürfte das Fahrzeug-2 sicher auch mitschuldig sein.
Fahrzeug-3, 4, 5 und 6 sind zwar nicht direkt in den Unfall verwickelt, helfen aber im Gesamten mit, den ohnehin bereits lahmen Verkehrsfluss wesentlich zu beeinträchtigen, indem sie ebenfalls mitten auf der Kreuzung stehen, dessen Fahrer dem Gelaber unentwegt beiwohnen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Autos ohne Rücklicht in der Nacht. Nicht weils gefährlich sein könnte, nein. Die Umrisse sehen in der Nacht halt einfach spannender aus.
Wer Licht hat, macht es schliesslich auch an. Alles was er hat.
Das geht für die Augen so lange gut, wie gesamthaft genügend Lichtquantität vorhanden ist.

Hier ruft ein Radio Allahu-akbar, da drüben auch, aber in einer anderen Tonlage.
Mitten im Kreisverkehr hats Verkäufer und Passanten.
Eine Frau knieht am Strassenrand nieder und beginnt eines von täglich fünf obligatorischen Gebetesritualen.
Überall Rauch, heiser klingende Lautsprecher mit lokalen Interpretation von wohlklingender, harmonischer Musik. Marktstände verschiedener Grössen, Farben, aber vom Sortiment her genau wie der Stand neben an.
Hinreichend von Früchten über Zigaretten bis hin zum frischen Brot, Autoteilen, Strümpfen, leeren Wasserflaschen, Zwiebeln, gebrauchte Schuhe, glänzenden Pfannen, und im Verborgenen gar Menschen, wird hier alles feilgeboten.

Vor mir scheppert ein völlig abgeranzter Bremer Kastenwagen (MB Lieferwagen) her. Hecktüren fehlen, so dass zu all den anderen Leuten drin, noch Einer innen und Einer aussen an der Heckpforte stehen kann, während er sich an der Regenrinne festklammert. Ich kann nicht zählen, wieviele Leute in und am Auto sind.

Eine 50er Tafel? Das muss ein Irrtum sein.

Immerhin gibts auf der Nord-Südachse keine geschwindigkeitsbegrenzenden Tafeln.
Fahren nach Gefühl.
Ausser in Dörfern und an Kontrollposten.
Entsprechend sehen dann die verunfallten Autos am Strassenrand aus. Irgendwie gefürchiger als nach der Presse bei der Autoverwertung.

Wieder will sich ein Fussgänger auf die andere Strassenseite vorarbeiten.

Ein kleines Mädchen mit drei dicken, schwarzen Zöpfen versucht an der Ampel, jedem etwas abzugewinnen, es reicht kaum bis zur unteren Scheibenkante hoch.
Ein trauriges Gesicht hat es. Zu spät realisiere ich es.
Es tut einen gefährlichen Job, ist das Risiko, mal einen Fuss unter ein Rad zu kriegen doch nicht unerheblich.
Versiert flitzt es schon zum nächsten Auto und versucht sein Glück.
Fährt die Kollone los, wartet es mitten in den vorbeifahrenden Autos die nächste Rotphase ab, um sein Glück erneut zu versuchen.
Es braucht allerhöchste (!) Aufmerksamkeit, viel Draufgängertum aber noch viel mehr Rücksicht, sich hier zu bewegen.

Ich bin zutiefst beeindruckt, ehrlich! Möchte keinen gefahrenen Meter missen, den ich hier erlebe!

Nouakchott.
Die Fahrt der Extraklasse.

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BeitragVerfasst am: 28.12.2018 16:25:32    Titel:
 Antworten mit Zitat  

Ja, da war ich schon ein paar Mal.

In Tidjikja noch alle Tanks gefüllt.
Neben der Zapfsäule wurden ein paar Ziegel einbetoniert, damit man das Auto schräg hinstellen kann, in dem man mit einem Rad drauf fährt. Und so passt dann mehr Diesel in den Tank rein. Ganz nach meinem Gusto.
Jeder, der hinzukommt, stellt die selben Fragen. Woher, wohin, alleine unterwegs? Keine Begleitung? Eigentlich die Fragen, die seit Jahren immer wieder kommen, aber jeweils eine gute Basis für lockere Gespräche schafft.

Der Polizei eingangs Tidjikja hab ich gesagt, dass ich nach Erreichen von Tichit weiter nach Aratane und dann nach Ouadane fahren möchte.
Weil der Polizist das wissen wollte. Auch die Leute an der Tankstelle erfahren Selbiges. Von mir aus dürfen die das wissen.

Die folgende Piste enthält zu etwa 30% Schotterstrasse und 70% Weichsand in Form von ausgefahrenen Sandspuren, denen man freiwillig folgt und höheren Treibstoffverbrauch in Kauf nimmt, anstelle ständig um die nervigen Busch-Hügeln rumzuzirkeln.

Diesmal habe ich Glück mit leichtem Gegenwind und der Motor wird gut gekühlt.
Generell läuft er ruhig und scheint voller Tatendrang zu sein, der alte, erfahrene Treiberling.

Es hat alle paar Kilometer so rot-weiss angestrichene Betonpfosten mit den Kilometerangaben bis Tichit.
Doch die Angaben stimmen nicht. Nachdem ich mit 240Km Fahrleistung in Tichit einfahre, zeigen die Pfosten bereits 300Km an. Da muss Jemand mit entsprechend mehr Schlupf gemessen haben...
Eh nu.

Nacht ists geworden und mein Plan sieht vor, direkt an der Tankstelle in Tichit anzuhalten, zu füllen, das Dorf in der Richtung zu verlassen, von der ich hergekommen bin, um dann in einem Bogen trotzdem am Dorf vorbeizufahren, um nach Osten weiterzukommen.
Denn ich glaube nicht, dass der Brigadenkommandant mein Vorhaben unterstützen wird, von Tichit über Aratane bis zuletzt nach Ouadane zu fahren. Das sind ca. 800Km ohne Zivilisation.
Also täte ich den Kontakt zu ihm wohl lieber meiden.

Von hinten zündelt eine bläuliche Taschenlampe an mein Auto. Der Wächter der Tankstelle macht sich bemerkbar.
Dieser ist allerdings nicht befugt, die Tankstelle zu betreiben.

Ein weiterer Mann kommt hinzugetappt und ich frage ihn, ob ich noch Tanken könne.

Er stellt sich als den 'Chef de Brigade' höchstpersönlich vor.
Scheisse, Fettnäpfchen!

Er meint, ich könne schon noch tanken, aber erst hätten wir was zu erledigen.
Woher ich komme, wisse er bereits und wohin ich gehen wolle, möchte er von mir detailiert auch noch wissen.
Ob ich nach Oualata weiterfahren wolle, oder wieder zurück nach Tidjikja?
Ich sage ihm, ich ginge erstmals nach Aratane (lose Ansammlung von zufällig gegrabenen Brunnen und paar Zelte in der Umgebung).
Dann wolle ich weiterschauen, was ich mache. Ob Oualata, oder dann Ouadane. Erstmal ginge ich aber wieder so aus dem Dorf, wie ich reingekommen sei.
Er meint: "Wenn ich noch nicht so richtig wisse, wohin ich wolle und so wieder aus dem Dorf ginge, solle ich Morgen auf den Brigadeposten kommen. Dann nehmen wir uns Zeit, das alles aufzuarbeiten.
(Scheisse nochmals...)

Er fügt aber noch an: "Weisst Du, wenn Du mir sagst, dass Du nach Oualata weiterfahren willst, informiere ich diese dort, das Du kommst, willst Du aber nach Ouadane, dann ist das eine andere Brigade. Und dann muss ich die entsprechend informieren. Wenn Du gar nirgends mehr auftauchst, müssen die Zuständigen Dich suchen."

Das gibt mir erstmal ein schlechtes Gewissen, dann gleich die Gewissheit, dass er mich nicht im Vorhaben bremsen will und durchaus bestrebt ist, dass ich gut durchkomme.
Mein Ansatz war also falsch, hinterrücks verschwinden zu wollen.

So sage ich ihm, ich könne mich auch Heute schon entscheiden - und spiele fortan mit offenen Karten.
Vermutlich hat der Kommandant von der Polizei aus Tidjikja sowieso schon meine Reisepläne erfahren, denn diese ruft er an, dass ich gut in Tichit angekommen sei.

Die Kette scheint also zu funktionieren und ich darf mich ein wenig in Sicherheit wiegen.

Nun, er segnet mein Vorhaben ab und hat Verständnis, dass ich für diese Strecke viele Tage brauche. Wenn ich nur gut in Ouadane ankommen würde.

Diese grösste Kröte wäre also geschluckt. Denn davor hatte ich am meisten Kummer, dass die (Sicherheitskräfte) mir nach gefahrenen, langweiligen 6'000 Strassenkilometern meinen Reiseplan auf den Kopf stellen würden.

Der Brigadekommandant verabschiedet sich dann und sagt mir noch, dass der Tankwart kommen würde.

Das Städtchen ist ruhig und die Temperatur so mild, dass ich noch immer kurzärmlig unterwegs bin.
So stehe ich draussen und horche in die Nacht. Der Muezzin schreit ins Megaphon, andere Singen, Trommeln. Kinder lachen.
Ein alter Mann schlurft daher und hat meine Anwesenheit bemerkt. Interessiert stellt auch er die Fragen.
Kaum einer bettelt. Tichit ist einfach angenehm.

Hunde streichen durch die staubigen Strassen, der Esel zupft an einem Büschel Gras herum...

Der Tankwart lässt auf sich warten, aber da die Zeit hier sowieso stillsteht, spielt das keine Rolle.
Ich kontrolliere beim Auto die wichtigsten Flüssigkeiten und räume noch etwas die durcheinandergeworfene Küche auf. Gläser und Rüttelpiste verstehen sich halt auch nicht so.

Als ich fertig bin, setze ich mich ins Auto rein und knalle die Tür zu.
Da hats dem Wart wohl geklingelt und er kommt eilig dahergetrappt.

Resümée von den 240Km mit viel Weichsand und sehr leichtem, gemässigtem Gasfuss sind dann 46,9l Diesel. Das macht nicht ganz 20l/100Km und ist ein guter Wert für diese Strecke. Nehme ich als Referenzbestätigung früherer Touren. (Nachtrag: Es dürfte vom Ünerdruck zusätzlich einen Liter vom Zusatztank in den Haupttank transferiert haben.)

Die Einheimischen blasen auf diesen 240Km mit ihren neuen Hiluxen aber zwischen 50 und 60l durch, weil sie massiv schneller fahren. Das habe ich noch erfragt.
Übrigens ist der Dieselkraftstoff hier... Hmm, wie soll ich den beschreiben?
Er riecht sehr, sehr streng. Farblich dunkelbraun (betrachtet in einer 5l Farblosflasche). Aus dem Zapfhahn triefend, ist er immerhin noch goldbraun wahrnehmbar.
Ob die da noch Altöl reinkippen? Brennen täte es jedenfalls.

Einheimische fragen mich noch, ob ich nicht die Nacht hier bleiben wolle.
Doch sollte sich der Brigadekommandannt etwa anders besinnen und bis Morgen umentscheiden, hätte ich das Nachsehen. Drum fahre ich noch Heute aus dem hübschen Städtchen raus - mit einem tränenden Herzen.
So gerne täte ich hier mal einfach einen Tag lang an der Tankstelle verbringen, aber wenn das mein Vorhaben gefärdet, muss ich mich dagegen entscheiden.

Nun kann ich es also entspannt und ruhig angehen.
Diese neue Herausforderung einer erneuten, diesmal mit 800km etwas kleineren Durchquerung des Riesensandkastens "Erg Warane", anzunehmen.

Ich kann mir dafür so viel Zeit nehmen, wie ich will. Keinen Druck, volle Tanks von Wasser (80l) und Diesel (250l).

Und so fahre ich ostwärts aus dem Städtchen hinaus und gondle gemütlich über die Flugpiste bis ich an deren Ende bei den Sicheldünen einen schönen Nachtplatz finde...

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BeitragVerfasst am: 28.12.2018 16:39:31    Titel:
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Vielen Dank!

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BeitragVerfasst am: 28.12.2018 17:16:11    Titel:
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Klasse! YES Vielen Dank! Beide Daumen hoch dafür.

Grüsse, Björn

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