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Kleine Geschichten aus der Wüste

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Desertcruiser
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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 19:08:23    Titel: Kleine Geschichten aus der Wüste
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Hab da mal wieder was kleines auf Lager.
Nur wenige Geschichtsfetzen...

Ich fahre genüsslich über die Piste. Beäugere die Landschaft und höre dem 6-Zylinder Turbodiesel zu.


Offenes Fenster und der Wind zieht mir genauso um die Ohren, wie sonst auch.
Seit Tagen herrscht hier ein starker Wind und eine recht bissige Kälte.

Doch seit einer Weile habe ich niemanden mehr gesehen.
"Määäh" machts. Woher denn wohl?
Ich schaue, ob ich etwa nun tatsächlich eine Schafherde übersehen habe? Doch da ist einfach nichts. Woher kam das Määh denn?
Anhalten, zurückrollen.
Da steht es, das Lamm. Klapperig, wenige Tage alt. Nabelschnur teilweise noch dran. Auch sonst sieht es eben aus wie "frisch geschlüpft". Alles was mal feucht war, hat nun Sand dran. Ein Anblick...

Hat es Durst? Wie trinkt das kleine Tier überhaupt, wenn keine Mutter da ist?
Leicht verzweifelt in der Not sehe ich mich um. Tatsächlich keine Herde.
Ich nehme ne Pfanne mit etwas Wasser. Will es nicht. Weder Pfanne noch Wasser. Aber es stolper und fällt hin. Kläglich klingts, das Tierchen. Aber es steht wieder auf.
Mit grossem Bedauern, aber einer gewissen Ratlosigkeit schaue ich es an. Es friert.
Ich kann das da nicht verenden lassen. Bringe ich nicht übers Herz.

Dann krame ich Milch hervor. Aus einem Teller solls die schlurfen. Kanns nicht. Also flösse ich ihm einfach etwas ein. UHT, homogenisiert. Hab sonst nix da, liebes Lamm.
Ein paar Tröpfen gehen runter.

Dann sehe ich mich wieder um.
Die Letzte Herde, die ich sah, war ziemlich weit weg.
Wurde das Lamm unbemerkt "geboren" und liegen gelassen? Oder ist es krank?

Ich wasche das Geschirr aus und überlege, was ich weiter tun könnte.
Das Tier hier lassen, GPS Punkt setzen und jemanden suchen, der das Tier aufnimmt?
Und wenn es derweil wegläuft?

Das Lamm erledigt sein Geschäft. Gut.
Jeweils sucht es bei mir Wärme.
Dann klappert es Richtung Auto.
Aha.
-
Auf den Beifahrersitz?
Setzt Dich einfach auf meine Kamera?!
Verpacken?

Ne, ich mach das anders.
Ich halte das Määäh mit der linken Hand und mache den Rest mit Rechts (Rechtslenker)
Pinkeln darf es nicht, hat es ja schon.
Also schalte ich vom Ersten bis in den Dritten hoch und lasse den Gang einfach drin. Wird schon gehen. Rest mit Kupplung und Gasfuss.

Nun, mit der rechten Hand muss ich das noch schnell fotografieren. Lenken mit den Knien.
Neee, nicht mit 70mm, iirgendwie den Zoom Richtung Weitwinkel verdrehen. Es ist zum davonrennen. Ich bräuchte derzeit 4-5 Hände.


Das kleine, von mir zusammengeklappte Lamm hält sich recht still. Schreit nicht rum und pinkelt mir vor allem auch nicht über die Hand.

Flott gehts über Pisten und durch Gräben. Das Lamm schaut, soweit es die verklebten Augen zulassen, zur Frontscheibe raus und geniesst die Fahrt ganz offensichtlich. Hier und da muss ich ein Bein neu verlegen, weil es aus meiner Hand ausfädeln will, weil unbequem.
Wir verstehen uns. Geht nur noch ums Eck, gell? Ganz sicher.

Nach ewiger Fahrt kommt dann ein Dorf.
Nun gilt es, das Tierchen jemandem anhängen zu können, der einen Hirten kennt. Oder Einen kennt, der einen Hirten kennt.
Ein Velofahrer?
Ne.
Ein Anderer kommt entgegen und schaut zu mir.
Ich grüsse mit dem Schaf, weil ich mit rechts ja lenken muss.
Ja, der schaut mich ordentlich komisch an.

Dann sehe ich einen Mann untätig, an einer Lehmmauer angelehnt sitzen.
Dem fahre ich direkt vor den Schoss.
Neutralgang, Handbremse. Aussteigen.

Der Blick? Denkste, unbezahlbar! Weltmeister.
Was-will-dieser-Tourist-mit-diesem-Schaf?
Ich stelle es ihm hin.
"Es geht noch, wie neu!"
Hammer, dieser Gesichtsausdruck!
Dafür sollte er viel, viel Geld kriegen!

Ein Paar Jungs treten hinzu und fragen sich wohl auch ab den gegebenen Umständen.

Nun erkläre ich ihm, was mit dem Lamm gewesen sei und dass es die Nacht wohl kaum überlebt hätte.
Er solle es einer kompetenten Person übergeben, er kenne sicher einen Hirten. Dann beschreibe ich ihm, wo ich das Lamm gefunden habe.
Gehe zum Auto zurück und will wegfahren. Doch Halt, da war noch etwas.

DAS Lamm bitte nicht schon jetzt in den Kochtopf werfen!
Er versichert mir, dass er sich um das Tier kümmern will. Bleibt ruhig sitzen und streichelt dem Lamm über die Überreste des eingetrockneten Mutterkuchens.

Einer der Jungs ganz prompt und in einem, in diesem Moment, sehr unpassend fordernden Ton: "Donnez moi un Ballon!"
Ich, eher gereizt: "Wass? Fick Dich, ich verteile nur Schafe...!"

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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 19:26:49    Titel:
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Ein paar Meilen und eine fürchterlich kalte Nacht an dem schönsten Platz der Erde später, fahre ich durch ein Dorf.


Zwei Geschwister stehen an einer Mauer angelehnt da.
Bruder und Schwester. Etwa 12 Jährig.
Beide sehr hübsch. Fotomotive, denke ich mir.
Die Fahrerscheibe hab ich eh unten, vernehme ich dann den ausgesprochenen Wunsch nach einem Stilo.
Natürlich, solange ich Heute keine Schafe rausgeben muss.
Aber nicht ohne Gegenleistung. Ein Foto.
Sie sind einverstanden aber doch irgendwie unsicher.
So steige ich aus und versuche sie zu überzeugen.
Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als ein älterer Bruder nun auch aus dem Haus kommt.
Generell, wenn ich irgendwo anhalte, schauen viele, viele Augen zwischen den vergitterten Fenstern hindurch auf mich. Ich kann sie oft nicht sofort sehen, weil sie im Dunkeln sind, aber ich weiss, dass sie da sind.
Gekicher, Gerede. Zurufe. Oft auch stilles Beobachten und Zeuge dessen werden, was nun passiert.
Höchst aufmerksam.

Ja eben, dieser Bruder ist zwar gut drauf, aber mit einem Foto ist nichts mehr.
Ich erkläre ihm kurz mein Vorhaben und er ist nichtmal abgeneigt. Aber schon kommt ein noch grösserer, volluminöserer Bruder ums Eck. Der ist nicht so recht einverstanden.

Schon bin ich umzingelt.
Ein älterer Mann gibt sich als Gutsbesitzer und Hausherr zu erkennen und lädt mich auf einen Tee ein.
Er hat drei Zähne.
Eeeeigentlich lieber nicht Tee. Wollte doch nur schnell ein Foto machen und dann weiterziehen. Nicht gleich in einen Riesenauflauf geraten.
Er drängt wieder und wieder.

Ich will das Foto. Unbedingt.
So willige ich mit dem Hintergedanken ein, eine Gelegenheit zu kriegen, doch noch das Foto machen zu können.

Wir treten ein. Der Innenhof wurde mit grünem, durchsichtigem Kunstoffwellblech überdeckt, was eine spezielle Lichtstimmung erwirkt.
Dann gehen wir Richtung Sale de Séjour.
Ich kriegte mal mit, dass man hier die Schuhe auszieht. So tut es tatsächlich der Familienvater.
Eine junge Frau schleicht sich gebückt aus dem Raum.
Jetzt ist Männerzeit.
Der Vater, Ali, breitet eine Decke für mich aus. Hinsetzen.

Mohamed, der wohl Älteste von neun Kindern setzt sich neben ihn.
Ismail bringt ein kleines Tischchen.
Der Zweitjüngste, mein Fotomotiv, setzt sich ebenfalls hin. Kritisch mir gegenüber.
Der Tee wird in einer sehr schönen Kanne serviert und das Prozedere beginnt.
Umschütten, Versuchen, Zuckersättigung erhöhen usw. Bis alles passt.
Dann reicht man mir als erstes ein Glas.
Dazu bringt die Mutter noch Süssigkeiten.
Fei gut! Obwohl ich eigentlich nichts essen mag.

Ich zeige Bilder auf dem Kameradisplay und sie fragen mich viele Dinge. Unter Anderem auch über meine Familie. Der Älteste wird hellhörig, als er vernimmt, dass ich noch Schwestern habe.

Dann wird das silberne Tischchen durch ein grösseres, dafür ein braunes ersetzt.
Der Schwiegervater von Ali setzt/legt sich hinzu. Er ist Imam des Dorfes.
Ismail bringt einen Krug mit warmem Wasser und ein Auffanggefäss. Alle können nun die Hände waschen. Langsam schüttet er das Wasser über die Hände. Ich ahne wozu. Dabei wollte ich doch nur ein Foto...
Und von Tee war die Rede.

Aufmerksam und doch diskret beobachte ich nun, wer, was, wie macht.
Wasche die Hände und trockne sie ab. Gebe das Tuch weiter.

Dem Ali wird das Brot des Hauses gereicht. Es ist noch warm.
Er bricht es und verteilt die Stücke rund um den Tisch.
Immer wieder muss ich zur Decke hochschauen, wie schön sie verziert ist. Davon nehmen sie Notiz.

Dann serviert die Mutter Tajine und verschwindet wieder.
"Mange!" heisst es.
Zwar habe ich den Bauch noch voller Crêpes, aber das kann ich eh nicht erklären.
Ich breche, wie sie, Stücke vom Brot ab und reisse es etwas auseinander. Dann tauche ich das Brot in den zentral auf dem Tisch stehenden Tajine-Topf und klemme z.B. ein Stück Bohne dazwischen.
Dann mit den drei besagten Fingern zum Mund führen.
Es geht etwas gesitteter zu und her als bei den Salzminearbeitern, von welchen ich euch noch schreiben werde. Wesentlich gesitteter.
Man redet nicht mit vollem Munde und so.

Immer wieder sagt der Schwiegervater, "iss, iss viel!"
Auch Ali will nicht, dass ich hungrig vom Tisch gehen muss. Es sind genug Leute da, um mich anschliessend auch wieder rausrollen zu können.

Einfach umwerfend, diese Gastfreundschaft! Tropft ein Fremder ins Dorf, wird er einfach eingaden. Irgendwie schon so richtig bemerkenswert!

Als alle genug gegessen haben, wird der Tisch abgeräumt und die Frauen kriegen, was übrig blieb. Natürlich im anderen Zimmer.

Obst wird aufgetischt. Noch mehr essen.
Dann kommt Ismail mit dem Krug warmem Wasser, Seife (!) und dem Auffangbehälter.
Zum Glück hatte ich diesmal keine Öligen Hände... Mensch...

Dann, "yalla", gehen wir wieder raus, sagt Ali.
Ich zeige ihnen kurz meine kleine Küche, damit sie sich unter meinen Erzählungen etwas vorstellen können.
Der Schwiegervater geht zur Moschee.

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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 19:30:58    Titel:
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Ali lädt mich ein, dass ich über Nacht bleiben solle. Mehrmals, mit Nachdruck.

Mohamed und Ismail bleiben bei mir hängen. Dann gelingt es mir, den einen Jungen zu portraitieren, den ich vorhin ablichten wollte.


Nur das Mädel nicht. Die Brüder mögens nicht so sehr, wenn ich es fotografiere und meinen, sie wolle nicht. Niiiicht?
Beschützerinstinkt. Ist ja auch ok so.

Auf der anderen Seite meines Wagens sitzt ein anderes Mädchen, welches durchaus fortgeschritten originelle Geräusche von sich gibt.

Ich schreibe Tagebuch, Mohamed, der Älteste lehnt an der B-Säle an und schaut mir zu. Ich solle ihm vorlesen, meint er. Dann lese ich ihm vor. Deutsch. Muss wohltuend klingen, für einen Berber.

Es knallt. Das Mädel links von meinem Auto schmiss einen Stein gegen meinen Wagen.

Ich fordere Mohamed auf, dass er das stoppen möge.
Ich kann die ja kaum am Haar packen gehen, wenn ich nicht zur Familie gehöre.

Doch geistige Unbeholfenheit ist keinen Grund, meinen Wagen zu beschädigen. Irgendwie.
Nochmal knallts. Diesmal wird Mohamed etwas lauter und es wirkt.

Dann spricht er es an, was ihn sehr bewegt.
Wegen meinen Schwestern.
Déjà marriée?
Alle schon weg. Nix zu machen.
Gut, bei der Jüngsten, Manuela vielleicht... Die könnte ich ihm vielleicht verkaufen. Aber ne, grundsätzlich - Nein.

Er meint, es wäre eben schon gut, wenn er eine Französin oder so finden würde.
Die Marokkanerinnen... Das sei wegen dem Geld eben ein Problem. (Mitgift in Höhe eines Einfamilienhauses, wenns eine etwas Schönere sein darf?)
Jedenfalls gibt er mir seine Adresse und seine Handynummer. Ich kann mich jederzeit melden, wenn ich was an der Hand habe. Fein.

Nun denn, fahre ich eben weiter, ohne das Mädel abzulichten. Schade.

Langsam holpere ich weiter durchs Dorf.
Da grinst sie mich an, die Kleine.
SIe wusste wohl, in welche Richtung ich weiterfahren will und ging schon mal voraus.
Schlaues Kind. Mit einem wirklich guten Foto kann ich nicht aufwarten. Zu viel Volk drumherum. Wer Marokko kennt, weiss wieso.
Aber ein Kugelschreiber wechselt den Besitzer. Und das war doch ihr Ziel, oder?


Hat sich gelohnt. Und ich muss schon zugeben, grad so gerne gehe ich nicht zu Fremden rein um zu Essen. Von Hand und ich kenne die Sitten nicht so gut.
Es braucht für mich als Einzelkämpfer sehr viel Überwindung, die enorme Gastfreundschaft anzunehmen.
Ich ging noch nie gerne auf Besuch.
Wollte lieber für mich alleine sein.
Das hat sich bis Heute nicht geändert.

Was man nicht alles tut, um an ein Foto heranzukommen, welches man sich in den Kopf gesetzt hat?
Diese Augen...

Dann fahre ich wieder etwas weiter und erfasse einen schönen Dorfausblick.
Stelle den Wagen an den Rand und suche zu Fuss eine gute Position zum Fotografieren.
Als ich zurückkomme, nehme ich wahr, dass wieder Steine gegen meinen 4x4 geworfen werden. Diesmal von drei anderen Mädchen, oben am Hang.
Ich deute, dass sie sofort damit aufhören sollen.
Schnell verstecken sie sich hinter den Mauern.
Was ist das nun Neues hier?

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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 19:32:40    Titel:
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Nun durch das originelle, 5km entfernte Dorf "Bou-Thrarar".
Da wimmelt es von Kindern aller Formen, Farbtönungen- und Sättigungen.

Ausgehend davon, dass ich aus der CH direkt zu ihnen fahre, hier nun die Hecktüren öffne und unzählige Geschenke auslade, kommen entsprechend Forderungen und Wünsche.

Nur für sie.
Für die Kinder von Bou-Thrarar bin ich hergefahren.

Kugelschreiber, Ballon, Cadeau jeglicher Art und in allen Preisklassen. Und Caramel. Bonbon, fabrige und Fisherman's dead. Kleider. Stilo. Hefte, vorgedruckt.
Grad was sie so an Wörtern in der Schule gelernt haben. Damit werfen sie jetzt in einer hohen Kadenz um sich.
(Das "donnez moi" sollte man in den ersten Jahren einfach streichen. Unhöfliche Befehlsform. Punkt.)

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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 19:38:08    Titel:
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10km weiter, ich nähere mich schon der Dades Schlucht von Westen her.


Steht ein kleiner Junge, vielleicht acht Jährig, am Pistenrand. Schneller als andere, erkennt er, dass ich rechts sitze und wechselt flink die Seite.
Er kann sich mitteilen, aber nicht in meinem gängigen Wortschatz.
Vor allem aber schaut er mit riesengrossen Augen zu mir hoch.
Solch ein unschuldiges Geschöpf aber auch. Keine Spur von Angst. Dabei ist er alleine und ich ihm zumindest in Grösse und Gewicht überlegen.
Wir machen einen Deal in Zeichensprache.
Foto gegen zwei, drei gebrannte Mandeln. Er ist einverstanden. Wer nichts hat, kann nichts verlieren.


Dann fahre ich weiter.

Und gleich nochmals zurück.

Weil ich das Ende der Piste erreicht habe und im Dades-Tal kaum schnell erfolgreich einen Nachtplazt finden werde. Hier oben ist das Gelände aber noch offen und fast Menschenleer.

Der Junge steht noch immer da.
Als hätte er auf mich gewartet, weil er es einfach wusste.
Direkt auf der richtigen Seite.
Ich grinse ihn frech an.
Er meint, wir sollten zu ihm nach Hause gehen und Tee trinken. Der vielleicht Zehnjährige...

Er geht vorsichtig ums Auto herum und schaut mit seinen grossen Kulleraugen zum Beifahrerfenster rein.
Dann betätigt er vorsichtig den Türöffner.
Moment, schnell noch Kamerakram wegräumen, dann kannste rein.
Er klettert hoch und sitzt ganz vorne auf dem Sitz. Mit seinen Füssen erdet er seinen Körper. Interessant, es scheint für ihn doch ungewohnt zu sein.
Hoch oben. Stolz ist er.
Seine dunkelbraunen, ausgetrockneten Hände halten sich mutig an dem Angstbügel.
Er riecht wie alle Hirten.
Nun fahren wir los.
Er imitiert die Schafe, welche er drüben am Hügel sieht.
Ja, das habe ich mir eben schon gedacht, Junge.

Doch zu ihm nach Hause gehts rechts zu den Zelten, deutet er mir. Der Vater da drüben am Hang kommt später heim, wie es scheint.
Beim Vorplatz der farbenfrohen Patchwork-Zelte, halte ich an.
Frauen kommen raus und werfen mir visuelle Fragezeichen an.
Ich helfe dem kleinen Jungen, die Tür von innen zu öffnen. Absteigen. Die Türe darf er mit Leibeskräften zuknallen, damit sie überhaupt schliesst.
Er bedankt sich.
Dann drängt sich Kopf an Kopf an mein Fenster. Auch Kinder strömen hinzu.
Etwa 10 Frauen aus verschiedensten Altersklassen sind präsent.
Das Jüngste braucht "dort" Hilfe, wo die Älteste sie auch bald brauchen wird.
So ist das im Leben.
Die jüngeren Damen kichern und witzeln irgendetwas.

Eine schaut mich aus einem ganz besonderen Blickwinkel an. Eines der Augen lässt sich kaum lenken.
Aber sie reisst den Mund am weitesten auf und drängt sich am nächsten ans Fenster.

Die nur rein optisch Reifeste/Älteste lässt jeweils keine zehn Sekunden verstreichen, ohne mich nach "Monnay" zu fragen, während mich eine Mutter nett zu einem Tee einladen möchte und "es" anschliessend wohl etwas diplomatischer formulieren würde.

Junge, Junge.
Du Ärmster.
Mitten in einen Hühnerhof geraten.

Das ist ja fürchterlich was die alles sagen.
In dieser kurzen Zeit.


Ich mache Kehrt und ziehe mich aus der hochbelebten Affähre.

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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 19:48:18    Titel:
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Was denn nun?
Rechts war doch ein Wegweiser. Mine. Warntafel?
Nein, Wegweiser.

Zurück, einbiegen, reinfahren.
Schräg und wackelig.

Rechts von mir ein kleiner Wasserlauf.
Weisse Verkrustungen zieren ihn.


Salz!

Darüber will ich mehr wissen.
Wird da überhaupt noch gearbeitet?

Ich fahre weiter - bis eine Schaufel und ein Rechen verkehrt, mitten auf der kleinen Piste liegt. Nun denn, da wird was gemacht, so parkiere ich eben vorher. Kann ja zu Fuss weitergehen.

Zurufe von der anderen Hügelseite lassen mich aufhorchen. "Weiter, nur weiterfahren!"
Nun denn, Werkzeug weggelegt, durchfahren. Nach 20m ist trotzdem Schluss. Ein kleiner Wendeplatz. Eine Baracke. Geröllhaufen. Ausser den Männern am Hügel niemand zu sehen.
Ich packe die Kamera und schliesse den Wagen ab. Da kommen sie schon, die drei.
Ob ich die Mine sehen wolle? Sie deuten auf ein kleines Doppeltor im Felsen. Schier leicht zu übersehen.
Sowas muss man mich nicht zweimal fragen. Grundsätzlich bin ich bei Berg-innen-Touren stets dabei. Selbst wenns da auch schon Probleme gegeben hat.

Wir stellen uns kurz vor. 50% heissen Mohamed, davon aber derzeit nur 25% anwesend, 50% Hassan. So kommen wir auf 100 & ich dazu.

Wir treten ein. Salzige Luft dringt an meinen Geruchssinn. Wohltuend, irgendwie neu für mich. Anstatt faulig, wie am Meeresstrand.
Ganz rein.

Mein Auge erkennt etwas rundes. Für den Anfang. Ein Schubkarrenrad. Dann ein zweites.


Das Tageslicht weicht der Dunkelheit.
Die Dunkelheit wiederum wird nur gering von Feuer verdrängt, welches zäh an einem Glühstrumpf haftet.
An einer Gasflasche befestigt ist ein Rohr mit der Montagemöglichkeit dieses Leuchtmittels. Improvisation, Zweckmässigkeit. Ja, es brennt. Aber es stinkt immerhin auch nach Gas. Und das in einer Untertagbau Mine. Humorvoll, nicht?
Ich mag schwarzen Humor ja auch, aber wenn man unmittelbar davon betroffen ist...
Aber das merken die ja sicher auch, diese 50+25. Wird wohl nicht soo tragisch sein.

Somit soll dieses austretende Gas nicht mein primäres Problem sein.
Meine Schwierigleit ist nun, wie ich diese Mordsstimmung auf die Speicherkarte meiner Kamera bringe.

Komponieren? Nur schmal. Man sieht ja fast nichts.

Der Anführer der Truppe, Mohamed, zeigt mir nun die Mine. Ein wahrlich fesselnder Moment. Selbst ein mit Salz gesättigter, stiller See gibts in der geräumigen Höhle. Salzverkrustungen am Rande, fast wie am toten Meer. Einen Schleier auf dem Wasser.





Weisse, dünne Salzzapfen hängen von der Decke. Die Höhle endet im Unendlichen, möchte man sinnieren.
Wie eindrücklich.

Die Felswände sind durchzogen mit Bändern des unter diesem Licht bronzefarbenen, rohen Salzes. Unbehandelt, unjodiert.
Ein schöner, handlicher Klumpen liegt auf dem Boden. Schwer ist er. Ich schätze ihn mehr als ein Kilogramm. Die Arbeiter meinen: "un kilo" Ich darf ihn haben, sagt der Patron.
Für mich ist es das Grösste Geschenk von ihnen. Salz aus der Mine. Vor wenigen Augenblicken aus dem Felsen gebrochen, wo das "weisse Gold" vielleicht tausende von Jahren geruht hat. Selbstkonservierend.

Für die kurze Visite bezahle ich den wohl nicht übermässig reichen Männern, ein kleines Trinkgeld.

Der Chef eines Dorfes, ebenfalls noch anwesend - und sein Name nicht in den Prozenten enthalten, will in eben dieses Dorf welches westlich von hier liegt, gelangen.
Fragt mich, ob ich westwärts weiterfahren würde.
"Eigentlich ungern schon jetzt. Aber ja, irgendwann schon."


Ich merke aber, wie froh dass alle wären, wenn der nette, ältere Herr sicher in sein Dorf zurückkehren könnte.
Ich frage, wie weit es denn sei? "Einen Kilometer." Einstimmig.
Nun denn, das ist ja nur ums Eck. Dann fahr ich ihn eben schnell heim und komme gleich wieder. Zuerst gibts noch ein Sofortbild als Erinnerung.
Dann schaffe ich den Beifahrersitz frei und bitte den ehrwürdigen Mann auf seinen Platz.
Zu seinen Füssen das rohe Salz.

Die Fahrt geht wesentlich länger als erwartet. Aber die Massen sind hier anders. Alles was "Kilo" vorne dran hat, scheint individuell dehnbar.
Nach gut 5km erreichen wir sein Dorf. Überglücklich und sehr innig bedankt er sich für diese Dienstleistung. Mehrmals.

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Ich fahre wieder zurück. Das kanns unmöglich schon gewesen sein.


Nun dankt man mir auch hier ganz überschwenglich.
Tee ist fällig. Ein Zuckerschuss. Noch weiss ich nicht wozu. Normalerweise brauchts dazu ja auch keinen Grund. Hier aber schon.
Ich werde einfach mitgezogen.
Ab ins Hüttchen, drüben am Hügel.


Originell und zweckmässig eingerichtet.



Auf dem grünem Tisch werden 6 Gläser verteilt. 100% und meins, sowie ein Glas zum ausschenken um wieder in die Kanne zurückzugiessen. Gibt Sauerstoff in den Tee. Macht man so mit dem "Whiskey du Maroc".
Dann wird von hoch hinab ausgeschenkt.


Süss ist er, aber nicht bitter.
Kurz vor den im Glas verbleibenden Feststoffrestanzen, hört man auf zu trinken. Es wird nachgegossen.
Auf der Herdplatte, wird zeitgleich die Tajine zubereitet.

Die Arbeiter warten. Müde.


Essenszeit.
"Mange!" heisst es. Kräftig zulangen... Kartoffel, Karotten und Fleisch, langsam gegaart. Dazu Fladenbrot aus dem Dorf.
Doch ich mag nichts Essen.
Ich sitze einfach hier und geniesse diese Zeit. Es schmatzt. Hungrig sind sie wohl, die Arbeiter.
Mit der rechten Hand und nur dessen Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger wird das Essen zum Mund geführt. Die linke Hand gilt als unrein.
Man sagt ihnen eine hohe Essenskuktur nach, den Leuten hier. Jedenfalls legen sie viel Wert auf Gesellschaft miteinander und tauschen sich munter aus.


Es wird nochmals ein Schuss Tee ausgeschenkt und für 50% gibts noch eine Ziiehgarette danach.

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Ende Pause, ab in die Mine. Es ist etwa 16:00.
Nun sehe ich auch den Nutzen des Tees.
Die Männer bauen ab und schleppen die Salzbrocken durch die Höhle hoch, zu einer Waage. Abmessen, dann immer Berge à fünf Tonnen aufschichten.
Dort werden sie gelagert, bis jemand kommt und eine bestimmte Menge davon will. Eine Tonne, oder eben halt nur 500kg. Diese Kleinmenge wird dann auch wieder mit der originellen Waage abgemessen.

Ein alter Peugeot steht vor dem Loch. Er soll mit einigen Hundert Kilogramm Salz beladen werden.


Für Kleinstmengen reicht auch mal das Pferd, welches seine Verdauungsrückstände genüsslich vor dem Minentor zu deponieren beginnt.

Innen wird fleissig verladen und gewogen. Es ist harte Arbeit. Wobei sich der Patron eher schont.

Mit wackeligen Schubkarren wird von der Waage zur Ladefläche transportiert.

Der Wagen fährt los und die zwei Arbeiter müssen wieder Salz abbauen, unten in der Mine. Man nimmt gleicht von dem Teil, wo die Mine eingestürzt ist. Da hat es dicke Salzplatten, welche nur noch mit dem Vorschlaghammer zerkleinert werden müssen.

Unter schlechten Lichtverhältnissen.
Doch die Gaslampen haben ihren Nutzen.

Zwei davon sind im Umlauf und leuchten einen Teil des Weges aus.

Schwere Brocken werden unter grossem Kraftaufwand, hoch zu den nun umplatzierten Schubkarren getragen. Die Männer keuchen und stöhnen unter dieser Last.


Auch mit dem Pickel werden grosse Blöcke zerschlagen, um sie auf ein tragbares Mass zu reduzieren.
Die gebückt und ächzend vorbeigehenden Männer werfen einen gespenstigen Schatten an die Wände.
Was bin ich froh, hab ich denen vorhin nichts weggegessen!

Ein ausserordentliches Schauspiel für mich, eine Alltagssituation für sie.
Den Freipass für Fotos habe ich längst erhalten.
Doch bei Kerzenlichtähnlicher Lichtquanti- und qualität, sowie bewegenden Motiven, gelingen kaum scharfe Bilder. Auch mit Stativ nicht.
Aber vielleicht doch das eine und andere "ergreifende"?
Trotz der Last ernte ich von den Arbeitern immer wieder ein fröhlich-singendes "Monsieeeeur, Monsieeeeeur...", oder ein "ça va?".
Ein im fahlen Licht erkanntes Lächeln, von denen, die kaum was zu Lachen haben.

Und einer davon hat nur noch einen Zahn. Mitte-links, unten.

Mir ist kaum mehr recht hier. Ich sitze mit der Kamera neben einer Lampe, um die schleppenden Bergarbeiter abzulichten.

Doch nun unterbricht man kurz die Arbeit.
Ich gehe raus und hole das Stativ aus dem Auto.
Tappe, beholfen mit meiner Taschenlampe durch die Dunkelheit, bis runter zum Salzsee.
Hassan kommt hinterher, mit der Gaslampe.
Er stellt sie an den Rand des Sees.
Einfach so, damit ich etwas sehen kann.
Echt rührend, der Kerl!

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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 20:05:06    Titel:
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Das Rohr der Lampe wackelt.
Mit jeder Bewegung wird die Lampe entweder heller, oder dunkler. Da fliesst wohl auch das Gas aus. Meine Nase bestätigt den Verdacht.
Ich mache ein, zwei Langzeitbelichtungen. Mohamed ist begeistert von den Bildern.

Zwischendurch raucht er. Scheint grad eine Pause geniessen zu dürfen, der vielleicht 50 jährige Mann, in der Gestalt eines 65 jährigen.

Er wird nach oben gerufen, kommt gleich wieder runter und sagt mir, er müsse beladen gehen, ein Transporter sei da.

Ich schliesse die Blende auf f11, ISO 64 und lasse belichten (Stativ). Ganz lange.
Derweil gehe ich ebenfalls hoch.

Ich kann da nicht mehr einfach sitzen. Muss wissen wie das ist, im Untertagbau Salz rumzuschleppen.
So nehme ich die Brocken selber in die Hand und lege sie in die Schubkarre. Einen nach dem anderen.
Ein Freudengeschrei.

Die Schubkarre dann zum Transit zu fahren, erfordert trotz mittlerweile etwas Erfahrung als Gärtner eine Menge Konzentration.
Das kleine Vollgummirad hat auf der Achse soviel Spiel, dass es kippt und irgendwo hinlenken will. Eine kräftige Hand brauchts.
Der Transitfahrer staunt nicht schlecht, als ein anderer als sonst üblich, mit der Schubkarre voller Salz daherkommt und ihm Stück für Stück hinreicht.

Dann gehts wieder zurück. Die Waage abladen, direkt in die Schubkarre.
Das Salz ist schwer und man merkt es auf der Haut. Es schmirgelt. Und den einen, oder anderen dürfte es auch mal richtig brennen.

Eine interessante Abwechslung, welche meine Akzeptanz bei den Arbeitern noch weiter ansteigen lässt.
Irgendwie gehöre ich schnell irgendwo völlig dazu.
Insbesondere die Handwerker scheinen mich mit meiner Art in ihre Kreise aufzunehmen. Wenigstens für eine Weile.
Das mag wohl daran liegen, dass ich ebenso ein Handwerker bin und von meiner Seite eine gewisse Sympatie, insbesondere aber ein grosses Interesse, ihnen gegenüber, ausgeht.

Nur der Patron verändert sich. Wird etwas still. Habe ich die Salzbrocken zu unsanft in die Schubkarren getan?
Habe ich in seinen Augen versucht, zu zeigen, wie es richtig geht?
Oder habe ich ihm gar vermittelt, dass er auch mal etwas mehr anpacken sollte?

Nichts dergleichen war meine Absicht.

Es legt sich aber zum Glück bald wieder.

Qualitativ ists vielleicht ein schlechtes Bild...



Als dann endlich zum Feierabend geblasen wird, tritt doch sichtbar Erleichterung ins Gesicht der müden, aber dennoch glücklichen Arbeiter.

Jeder von ihnen kommt bei mir vorbei und gibt mir die Hand zum Abschied.
Sie werden die Nacht im Dorf verbringen.
Morgen werden sie wiederkommen und weiterarbeiten. Tag für Tag.

Und ich bin um eine unbezahlbare Erfahrung, welche ich in mein kleines Lebenserfahrungsrucksäckchen packe, reicher geworden.
Danke sehr!

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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 20:21:14    Titel:
 Antworten mit Zitat  

So, es geht noch etwas weiter.

Ich fuhr eine im Alleingang eher schwierig zu bewältigende Gebirgspassage.


Wusste, dass an dessen Ende arme Nomaden leben. Ich habe beim letzten grossen Reisebericht schon mal davon geschrieben.
Eigentlich wollte ich ihnen nichts mehr bringen, weil kein einziger Dank, sondern nur weitere Forderungen kamen.
Doch ich mochte und mag diese Menschen trotzdem. Und so kaufte ich im letzten Dorf noch etwas Lebensmittel ein. Um wenigen Familien ein, zwei Mahlzeiten sichern zu können.

Die Brote, Früchte und etwas Käse hatte ich schnell verteilt. Dabei sind auch die einen und anderen Bilder entstanden.

Diesmal waren die Leute irgendwie umgänglicher. Vielleicht, weil ich alleine etwas mehr Geduld mitgebracht habe. Auch
haben sie selten mal "Danke" gesagt.











Bei der letzten Familie hatte ich fast keine übrigen Lebensmittel mehr. Habe noch gegeben, was ich entbehren konnte.
Habe dann trotzdem ein, zwei Fotos machen können.

Fuhr dann den Berg hinunter ins offene Gelände.
Dann fing die Grübelei an.

Und nun muss ich doch ins 'Präsens' wechseln.

Die Mutter der Kinder da oben. Bei der letzten Familie. Die habe ich letztes Jahr schon gesehen. Sie hat ein markantes Gesicht. Strenge Züge, und doch etwas Liebes. Unfassbare Persönlichkeit. Diese Betrachtung geschieht ausschliesslich aus Interesse an dieser Charaktere.
Ein Bild habe ich gemacht von ihr. Schaue es mir sehr lange an. Ob ich ihre Persönlichkeit damit festgehalten habe? Ich denke nicht.


Ich muss den Aufstieg Morgen nochmals machen.
Aber wie kriege ich diese hoch interessante Persönlichkeit auf den Sensor?
(Frauen in MA sind genrell noch einmal schwierigen abzulichten, insbesondere wenn noch Männer dabei sind, oder andere Leute. Die Scham, etwas falsches zu tun ist stark)

Ich bin so frei, ich kann hinfahren wo ich will, niemand will mich daran hindern, diese Teilstrecke noch einmal zu fahren.

Und so stärke ich mich am Morgen mit einem umfassenden Frühstück. Das hilft mir auch nervlich durchzubeissen.
Dann fahre ich wieder zurück. Auf dem Weg da hin ist eine Herberge. Hassain ist der Besitzer und ihn kenne ich.
Nach langem hin und her verkauft er mir etwas von seinen Vorräten. Kartoffel, karotten, Tomaten, Mandarinen, nachdem er erfährt, wozu die Lebensmittel sind.

Ich steige ein und starte den Motor. Hasssain kennt mein Anliegen, den Leuten da oben zu helfen. Bietet mir an, ob er mitkommen solle.
Das ist der Wink! Ich überlege kurz und räume den Beifahrersitz frei.

DAS ist der Zugang zur Familie. Hassain.

Wir kommen oben an und stellen den Wagen an eine breite Stelle der Piste.
Wie üblich kommen die Leute von den Wohnhöhlen herunter zur Piste. Dann sehen sie Hassain und kennen ihn auch. Das Betteln bleibt aus.

So kriege ich einerseits den Zugang zu den Höhlen und kann mir endlich etwas darunter vorstellen, wie sie da oben leben - mit sehr, sehr wenigen Mitteln.













Andererseits kriege ich auch den Foto-Freipass, den ich behutsam einsetze. Doch ich nutze die Chance, diese Frau noch einmal vor die Linse zu nehmen.



Am Ende mache ich von der Familie noch ein Sofortbild. Das Strahlen der Mutter ist enorm, als sie es in den Händen hält. Das ist für sie etwas sehr Besonderes.

*****

So, das wars erstmal...

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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 20:56:52    Titel:
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Mann, was für Texte!
Und die Bilder so absolut stimmig dazu!

Was freut es mich dass du wieder hier schreibst!
100, nein 1.000 Daumen hoch möchte ich geben.
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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 22:57:31    Titel:
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you made my day Tröst
deine photos sind mittlerweile echt so gut, man merkt, dass du dich weiter entwickelt hast.
ich hoffe, dass du was daraus machst. du solltest diesen bericht nicht nur hier veröffentlichen, sondern in magazinen.
deine bilder sind so gut, dass sie sogar geo-tauglich sind, finde ich zumindest. und die texte passen auch prima dazu. Respekt YES
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Club der Ehemaligen



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BeitragVerfasst am: 26.06.2017 05:44:12    Titel:
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griaß di!
mann, welch wunderbarer, einfühlsamer reisebericht!!
danke dir dafür!
lg. aus der obersteiermark!!
manfred
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BeitragVerfasst am: 26.06.2017 06:27:51    Titel:
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Hallo,

Kaum ist man ein Wochenende nicht da , wird gleich wieder ein interessanter Thread eröffnet . Absolut genial geschrieben und deine Bilder sind der Hammer YES YES

Gruss Mirco

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Der quattro ist kein Geländefahrzeug , dazu ist die Bodenfreiheit zu gering .
(Zitat Audi quattro-Betriebsanleitung)

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gringoalemao
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BeitragVerfasst am: 26.06.2017 11:41:45    Titel:
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Respekt

Ich ziehe meinen Hut !!! Echt genial Respekt

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